Beeinflussen Lipid-Biomarker die Schmerzintensität bei chronischem plantarem Fersenschmerz?

Systemische metabolische Biomarker stehen zwar nicht mit dem Vorkommen oder der Dauer von chronischem plantarer Fersenschmerz in Zusammenhang, …


… mehrere Lipid-Biomarker korrelieren jedoch signifikant mit der Schmerzintensität bei betroffenen PatientInnen. Erhöhte Lipid-Biomarker könnten somit die Schmerzwahrnehmung bei bestehender Erkrankung verstärken.

// HINTERGRUND

Der chronische plantare Fersenschmerz ist eine häufige muskuloskelettale Erkrankung des Fußes, deren Ätiologie weiterhin unzureichend verstanden ist und für die nur begrenzte wirksame Therapieoptionen existieren. Da die Plantarfaszie als kollagenreiche Struktur Ähnlichkeiten mit Sehnengewebe aufweist und metabolische Störungen (wie Dyslipidämie oder Glukosefehlregulationen) bekanntermaßen Sehnenerkrankungen beeinflussen, bieten systemische metabolische Faktoren einen möglichen Erklärungsansatz. Ausgangspunkt der Studie war das Fehlen von Untersuchungen, die den Zusammenhang von blutbasierten metabolischen Biomarkern mit klinischen Symptomen wie Schmerzintensität und Schmerzdauer bei chronischem plantarer Fersenschmerz differenziert analysieren.

// METHODIK

Die Querschnittsstudie nutzte Baseline-Daten einer 12-monatigen prospektiven Kohortenstudie. Verglichen wurden 197 PatientInnen mit klinisch diagnostiziertem chronischem plantarer Fersenschmerz (Fersenschmerz seit ≥ 3 Monaten, verstärkt bei Belastung) mit 100 alters- und geschlechtsgematchten asymptomatischen Kontrollpersonen aus der Bevölkerung. Nüchtern-Blutproben wurden auf Nüchternglukose, Gesamtcholesterin, Triglyzeride, HDL-, LDL- und Non-HDL-Cholesterin sowie den Gesamtcholesterin/HDL-Quotienten analysiert. Die Schmerzintensität wurde mittels einer 100-mm-Visuellen Analogskala (VAS) erfasst, die Schmerzdauer in Monaten. Als klinische Kovariablen wurden unter anderem BMI, Taillenumfang, die maximale isometrische Kraft der Sprunggelenks-Plantarflexoren sowie der painDETECT-Score erhoben.

// ERGEBNISSE

  • Vorkommen von chronischem plantarer Fersenschmerz: Zwischen PatientInnen mit chronischem plantarer Fersenschmerz und Kontrollpersonen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bei den metabolischen Biomarkern.
  • Schmerzintensität (VAS): Bei PatientInnen mit chronischem plantarer Fersenschmerz waren höhere Werte von Gesamtcholesterin, Non-HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin sowie dem Gesamtcholesterin/HDL-Quotienten  signifikant mit einer höheren Schmerzintensität assoziiert. Die Assoziation für Gesamtcholesterin blieb auch nach Adjustierung für lipidsenkende Medikamente bestehen. Nüchternglukose, Triglyzeride und HDL-Cholesterin zeigten keine Assoziation.
  • Schmerzdauer: Es zeigte sich primär keine Assoziation zwischen den metabolischen Biomarkern und der Schmerzdauer. Allerdings beeinflusste der Taillenumfang die Assoziation zwischen LDL und Schmerzdauer.

// DISKUSSION

Die Befunde deuten darauf hin, dass atherogene Lipide (wie LDL und Non-HDL) durch leichte Entzündungsprozesse, mikrovaskuläre Dysfunktionen und oxidative neuroimmune Signalwege Nozizeptoren sensibilisieren und die Schmerzverarbeitung verstärken können. Während Lipidabweichungen somit die Symptomstärke bei bestehender Erkrankung beeinflussen dürften, erklären sie nicht das Vorkommen oder die Gesamtdauer von chronischem plantarer Fersenschmerz.

Die Studie führt folgende Limitationen an:

  1. Keine Kausalitätsaussage: Das Querschnittsdesign mit einmaliger Blutabnahme erlaubt keine ursächlichen Rückschlüsse auf den zeitlichen Verlauf oder Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
  2. Methodische Messunsicherheiten: Die Erfassung von Medikamenten erfolgte über Selbstberichte; zudem wurde aufgrund stark korrelierender Biomarker keine statistische Korrektur für Mehrfachtests durchgeführt.
  3. Eingeschränkte Stichproben-Power: Die Studie war primär für Schmerzendpunkte berechnet und wies eine stoffwechselgesunde Kohorte auf, was die statistische Entdeckung kleinerer Effekte erschwert und die Übertragbarkeit auf PatientInnen mit höherem Stoffwechselrisiko einschränkt.

// KONKLUSION

Die 3 wichtigsten Kernbotschaften für den Behandlungsalltag:

  • Lipid-Biomarker bei hoher Schmerzlast berücksichtigen: Spezifische Lipid-Biomarker stehen in Zusammenhang mit der Schmerzintensität bei chronischem plantarer Fersenschmerz und können im Rahmen einer individuellen Gesamtbeurteilung berücksichtigt werden.
  • Kein Diagnosemarker für das Vorkommen: Blutbasierte metabolische Biomarker eignen sich nicht als alleinige Marker zur Verifizierung des Vorliegens oder der Dauer von chronischem plantarer Fersenschmerz.
  • Multifaktorielle Betrachtung: Systemische Stoffwechselveränderungen sind wahrscheinlich kein primärer Auslöser für das Entstehen von chronischem plantarer Fersenschmerz, sondern modifizieren vorrangig die Symptomausprägung bei betroffenen PatientInnen.

// QUELLE

Malick WH, Jones G, Aitken D et al. Chronic plantar heel pain severity is associated with lipid biomarkers. Musculoskelet Sci Pract 2026; 85: 103624.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.