Beeinflussen tibiale Impressionsfrakturen VKB-defiziente Kniegelenke?

>> Impressionsfrakturen führten zu einer signifikanten Abnahme der Kniegelenk-Stabilität bei VKB-defizienten Präparaten.

// HINTERGRUND

Das Hinterhorn und die laterale Meniskuswurzel sind entscheidend für die Kniestabilität, insbesondere bei der anteriore tibialen Translation und der anterolateralen Rotation. Das Meniskushinterhorn wirkt als Keil, um den lateralen Femurkondylus zu stabilisieren. Ein intaktes Tibiaplateau sichert diese Funktion. Ähnlich wie eine Bankart-Fraktur in der Schulter das Labrum beeinträchtigt, wird eine solche Knieverletzung als „Bankart-Knie“ bezeichnet. Diese biomechanische Kadaverstudie untersucht die Auswirkungen von hochgradigen Impressionsfrakturen des posterolateralen Tibiaplateaus auf die Kinematik von VKB-defizienten Kniegelenken.

// METHODIK

8 eingefrorene Kadaverkniegelenke wurden mit einem Roboter-Setup und einem optischen Tracking-System getestet. Das Forscherteam führte Lachman-Tests, Pivot-Shift-Tests sowie Außen- und Innenrotation bei verschiedenen Flexionswinkeln (0°, 30°, 60° and 90°) und unter konstantem axialem Druck von 200 N durch. Die Tests wurden sowohl im intakten und VKB-defizienten Zustand als auch bei zwei unterschiedlich stark ausgeprägten posterolateralen Impressionsfrakturen appliziert.

// ERGEBNISSE

Beide Typen von Impressionsfrakturen führten zu einer signifikanten Abnahme der Kniegelenk-Stabilität bei VKB-defizienten Präparaten. Dies zeigte sich durch eine erhöhte anteriore Translation im Lachman-Test bei 0° und 30° Flexion sowie bei den Pivot-Shift-Tests und der Innenrotation der Tibia. Die Tests zur Außenrotation und der posteriore Schubladentest zeigten keine signifikanten Veränderungen.

Abbildung 1 aus: Milinkovic et al. 2023. CC BY-NC-ND 4.0 – https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/

// DISKUSSION

Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit wurden nur 8 Kniegelenke getestet. Das Durchschnittsalter der Präparate betrug 77,5 Jahre, was höher ist als das Alter junger, aktiver Patient*innen mit ähnlichen Verletzungen. Diese Altersdifferenz könnte die Ergebnisse beeinflusst haben, da die Knochenqualität bei älteren Kadavern möglicherweise schlechter war und zu einer verstärkten Plateau-Depression während der Tests geführt haben könnte. Trotz dieser Einschränkungen verdeutlichen die Ergebnisse die entscheidende Rolle des lateralen Meniskus für die Kniegelenksstabilität. Neben seiner Funktion in der Stoßdämpfung und Lastenverteilung ist der Meniskus auch wichtig für die anterolaterale Rotationsstabilität. Eine stabile knöcherne Unterstützung des lateralen Tibiaplateaus sowie die Integrität der meniskofemoralen Bänder und die Verankerung der Meniskuswurzeln sind essenziell für seine biomechanische Funktion. Ähnlich wie beim Schultergelenk, wo das intakte Glenoid die Funktion des Labrums erhält, führt eine Impressionsfraktur des posterolateralen Tibiaplateaus zu einer vergleichbaren Instabilität wie eine Bankart-Fraktur. Diese Analogie hat zur Einführung des Begriffs „Bankart-Knie“ geführt.

// KONKLUSION

Die Ergebnisse dieser biomechanischen Studie bestätigen, dass eine hochgradige Impressionsfraktur des posterolateralen Tibiaplateaus mit dem damit verbundenen Verlust des knöchernen Stützsystems für das laterale Meniskushinterhorn zu einer zusätzlichen Zunahme der anteriore tibialen Translation und anterolateralen Rotationsinstabilität des VKB-defizienten Gelenks führt.

// QUELLE

Milinkovic DD, Kittl C, Herbst E et al. The „Bankart knee“: high-grade impression fractures of the
posterolateral tibial plateau lead to increased translational and anterolateral rotational instability of
the ACL-deficient knee. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2023; 31 (10): 4151-4161.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.