>> Frühzeitige Vollbelastung verbessert Funktion ohne erhöhtes Risiko
// HINTERGRUND
Sprunggelenksfrakturen gehören zu den häufigsten Frakturen der unteren Extremität. Während die operative Versorgung standardisiert ist, gibt es unterschiedliche Ansätze zur postoperativen Rehabilitation. Traditionell wird eine späte Gewichtsbelastung bevorzugt, um Komplikationen wie Fixationsversagen zu vermeiden. Neuere Untersuchungen legen jedoch nahe, dass eine frühe Gewichtsbelastung den Heilungsprozess beschleunigen und die Rückkehr in den Alltag erleichtern könnte. Eine chinesische Metaanalyse verglich deshalb die Auswirkungen von früher mit später Gewichtsbelastung auf die funktionellen Ergebnisse, die Zeit bis zur Wiederaufnahme von Alltagsaktivitäten und die Komplikationsrate.
// METHODIK
Ein systematisches Review mit Metaanalyse durchsuchte mehrere wissenschaftliche Datenbanken (u. a. CNKI, PubMed, Embase, Cochrane Library) und identifizierte randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) zu früher vs. später Gewichtsbelastung nach operativer Sprunggelenksfrakturversorgung. Die Studien verglichen Patient*innen, die innerhalb von 6 Wochen nach der OP mit der Gewichtsbelastung begannen, mit jenen, die erst danach belasteten oder dies vollständig vermieden. In den meisten Studien durfte die frühe Belastungsgruppe bereits ab der 2. postoperativen Woche ihr Sprunggelenk innerhalb ihrer Schmerzgrenze belasten und führten aktive oder aktiv-passive Bewegungen aus (progressive Aufbelastung des operierten Sprunggelenks– zunächst mit Teilbelastung auf den Zehen, später mit Vollbelastung und vollständigem Bodenkontakt), während die Kontrollgruppe frühestens nach 6 Wochen oder gar nicht belastete. Insgesamt wurden 11 Studien mit 862 Teilnehmenden in die Analyse einbezogen. Die funktionellen Ergebnisse wurden anhand von Scores wie dem Olerud-Molander-Score (OMS), dem AOFAS-Score oder dem Baird-Jackson-Score bewertet. Zudem wurden die Zeit bis zur Wiederaufnahme der Alltagsaktivitäten und die Komplikationsraten analysiert.
// ERGEBNISSE
Patient*innen, die frühzeitig belasteten, hatten signifikante Vorteile in der funktionellen Erholung. Bereits nach 6 Wochen zeigten sich höhere Werte in den Funktionsscores (SMD = 0.69), die sich auch nach 12 Wochen (SMD = 0.57) sowie nach 24–26 Wochen (SMD = 0.52) aufrechterhielten. Darüber hinaus kehrten Patient*innen mit früher Gewichtsbelastung im Durchschnitt 2,74 Tage früher in den Alltag und zur Arbeit zurück als die Vergleichsgruppe. Dabei blieb die Komplikationsrate vergleichbar: Das Risiko für unerwünschte Ereignisse wie Infektionen oder sekundäre Eingriffe war in beiden Gruppen nicht signifikant unterschiedlich. Nach einem Jahr gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen den Gruppen.
// DISKUSSION
Die Ergebnisse basieren größtenteils auf funktionellen Scores, die nicht alle Aspekte der Sprunggelenksfunktion erfassen. Außerdem wurde in einigen Studien die AOFAS-Skala verwendet, die als weniger zuverlässig gilt. Zudem bestand in mehreren eingeschlossenen Studien ein hohes Risiko für Verzerrungen, insbesondere hinsichtlich der Verblindung der Teilnehmenden. Da viele Ergebnisse subjektiv erhoben wurden, könnte dies die Aussagekraft beeinflussen.
// KONKLUSION
Eine frühzeitige Gewichtsbelastung nach einer operativ versorgten Sprunggelenksfraktur fördert die funktionelle Heilung in den ersten 6 Monaten und eine frühere Rückkehr in den Alltag. Gleichzeitig bleibt das Risiko für Komplikationen unverändert im Vergleich zu einer späten Belastung. In der Physiotherapie kann eine frühe Gewichtsbelastung daher als sicheres und effektives Rehabilitationsprotokoll in Betracht gezogen werden, um eine schnellere Genesung zu unterstützen.
// QUELLE
Chen B, Ye Z, Wu J et al. The effect of early weight-bearing and later weight-bearing rehabilitation interventions on outcomes after ankle fracture surgery: A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. J Foot Ankle Res. 2024; 17 (2): e12011.
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