Mobilisation mit Bewegung: Effektiv bei chronischen Rotatorenmanschettenbezogenen Schulterschmerzen?

>> Verbesserte Funktion und Schmerz im Vergleich zur Scheinbehandlung

// HINTERGRUND

Rotatorenmanschettenbezogene Schulterschmerzen (RCRP) umfassen häufige Erkrankungen wie subakromiales Impingement-Syndrom, Tendinopathien der Rotatorenmanschette oder Bursitis und machen 85 % der schmerzhaften Schulterbeschwerden aus. Konservative Therapien wie Übungen gelten als Standard, liefern jedoch oft nur moderate Verbesserungen. Ergänzend setzt man in der Physiotherapie Mobilisation mit Bewegung (MWM) ein – eine Methode, bei der durch externe Kräfte während aktiver Bewegungen der schmerzfreie Bewegungsumfang erhöht werden soll.

// METHODIK

Eine internationale Studie von Physiotherapeuten aus Brasilien und Australien untersuchte, ob die Kombination von MWM und Übungstherapie bei chronischem RCRP bessere Ergebnisse erzielt als eine Scheinmobilisation kombiniert mit Übungen. In die randomisierte Studie wurden 70 Erwachsene mit atraumatischen chronischen Schulterschmerzen (≥ 6 Wochen) aufgenommen. Die diagnostizierten Krankheitsbilder umfassten: Tendinopathie der Rotatorenmanschette, subakromiales Impingement-Syndrom, Bursitis oder subakromiales Schmerzsyndrom. Alle Teilnehmenden hatten schmerzhafte aktive Bewegungen und mindestens drei positive klinische Tests (z. B. Hawkins-Kennedy-Test, Neer-Test). Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt:

  • Experimentalgruppe: MWM kombiniert mit Übungen, individuell angepasst (siehe Abb. 1)
  • Kontrollgruppe: Scheinmobilisation kombiniert mit denselben Übungen.

Die Intervention erfolgte zweimal wöchentlich über fünf Wochen (jeweils 45 Min). Die Wirksamkeit wurde anhand von Funktion (SPADI), Schmerz (NPRS) sowie Bewegungsfreiheit, Selbstwirksamkeit und wahrgenommener Verbesserung beurteilt. Messzeitpunkte waren zu Beginn (Woche 0), am Ende der Behandlung (Woche 5) und nach einem Monat (Woche 9).

Abbildung 1: Auszug einer Übung aus der Studie: Mobilisation mit Bewegung (MWM) des Glenohumeralgelenks im Stand zur Verbesserung der Endrange-Flexion. Geeignet bei geringer Irritierbarkeit. Der Therapeut stabilisiert die Skapula und wendet mit einem Gurt einen posterolateral-inferioren Druck auf den Humeruskopf an, während der Patient aktiv eine Dehnung gegen die Wand ausführt. Aus Baeske et al. 2024 (CC BY 4.0).

// ERGEBNISSE

Nach 5 Wochen erzielte die Experimentalgruppe signifikant bessere Ergebnisse als die Kontrollgruppe:

  • Funktion: Verbesserung um 15 Punkte (SPADI)
  • Schmerz: Reduktion des Nachtschmerzes um 2,1 Punkte und des Bewegungsschmerzes um 1,5 Punkte
  • Beweglichkeit: Verbesserung in Flexion (+16°), Abduktion (+23°), Außenrotation (+11°)

Nach 9 Wochen blieben die Verbesserungen stabil. Funktion, Schmerz und Bewegungsumfang zeigten weiterhin Vorteile gegenüber der Kontrollgruppe. Außerdem berichteten bereits viele Teilnehmende während der Behandlung über spürbare Verbesserungen im schmerzfreien Bewegungsumfang.

// DISKUSSION

Die Studie zeigt, dass MWM in Kombination mit Übungstherapie schnelle und nachhaltige Vorteile bei chronischem RCRP liefert, die über eine Placebowirkung hinausgehen. Besonders relevant ist die sofortige Verbesserung des schmerzfreien Bewegungsumfangs nach Anwendung. Die Ergebnisse unterstützen den klinischen Einsatz von MWM zur Behandlung von Patient*innen mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Allerdings waren einige Effekte knapp über der minimal klinisch relevanten Veränderung. Zudem war die Nachbeobachtungszeit begrenzt, und die Ergebnisse beziehen sich auf eine spezifische Patientengruppe. Zukünftige Studien mit längeren Nachbeobachtungsphasen könnten den Langzeiteffekt auf Schmerz und Funktion besser beleuchten.

// KONKLUSION

MWM in Kombination mit Übungstherapie bietet eine effektive Behandlungsoption für Betroffene mit chronischem RCRP. Die Methode führt zu schnellen und signifikanten Verbesserungen in Funktion, Schmerz und Bewegungsfreiheit und lässt sich gezielt in der Praxis einsetzen, um Bewegungseinschränkungen zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu steigern.

// QUELLE

Baeske R, Hall T, Dall’Olmo RR et al. In people with shoulder pain, mobilisation with movement and exercise improves function and pain more than sham mobilisation with movement and exercise: a randomised trial. J Physiother. 2024; 70 (4): 288-293.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.