>> Bildbefunde korrelieren nicht zwingend mit klinischen Symptomen
// HINTERGRUND
Tendinopathien, also klinische Überlastungserscheinungen von Sehnen, treten insbesondere im Sport häufig auf und können zu einer deutlichen Einschränkung der sportlichen Leistungsfähigkeit führen. Die bildgebende Diagnostik (Ultraschall, MRT) ist zentral in der Beurteilung solcher Sehnenerkrankungen. Dabei zeigen sich oft morphologische Veränderungen, wie Verdickungen, unregelmäßige Strukturen und Veränderungen der Durchblutung – auch bei asymptomatischen Personen. Diese Diskrepanz zwischen Bildgebung und klinischen Symptomen legt nahe, dass bildgebend auffällige Sehnenmorphologien nicht immer pathologisch sind und keine zwingenden Behandlungsindikationen darstellen.
// METHODIK
Dieses Editorial, veröffentlicht im Journal „Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy“, fasst aktuelle Erkenntnisse zur Aussagekraft bildgebender Veränderungen bei Tendinopathien und postoperativen Sehnenveränderungen zusammen. Basierend auf vorhandenen Studien wurden morphologische Auffälligkeiten bei Sehnenschädigungen und deren Bedeutung für den klinischen Verlauf kritisch diskutiert, um Hinweise für die Praxis abzuleiten.
// ERGEBNISSE
Bildgebende Verfahren wie Ultraschall und MRT zeigen häufig strukturelle Veränderungen der Sehne, die langfristig oder dauerhaft bestehen bleiben können, ohne zwingend mit Symptomen wie Schmerz oder Funktionseinschränkungen einherzugehen. Nach operativen Sehnenrekonstruktionen sind typische sonografische Befunde eine Verdickung, hypoechogene Areale um das Sehnengewebe sowie eine erhöhte Gefäßaktivität, die im Laufe der Heilung zurückgeht. Der Doppler-Ultraschall zeigt eine erhöhte vaskuläre Versorgung in den ersten Wochen, die bis zum 6. Monat postoperativ abnimmt. Auch die Elastografie zeigt bei rekonstruierten Sehnen eine verstärkte Steifigkeit, die jedoch als physiologisches Merkmal des Heilungsprozesses interpretiert wird und nicht zwingend eine pathologische Bedeutung hat.
// DISKUSSION
Die Evidenz deutet darauf hin, dass morphologische Veränderungen der Sehne bei asymptomatischen Personen allein keine Indikation für therapeutische Interventionen darstellen. Die Datenlage, größtenteils basierend auf Studien mit geringer methodischer Qualität und heterogenen Patientenkollektiven, zeigt, dass strukturelle Auffälligkeiten in der Bildgebung oft keinen klinischen Einfluss haben. Die Entwicklung einer symptomatischen Tendinopathie bei initial asymptomatischen Auffälligkeiten bleibt in vielen Fällen aus. In der Praxis bedeutet dies, dass nach einer ersten diagnostischen Bildgebung keine weiteren Untersuchungen erforderlich sind, sofern keine klinischen Symptome auftreten, und dass bildgebende Auffälligkeiten keine Behandlungsindikation darstellen.
// KONKLUSION
Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass morphologische Auffälligkeiten in der Sehnenbildgebung, insbesondere bei asymptomatischen Personen, nicht automatisch eine Behandlung rechtfertigen. Physiotherapeut*innen sollten daher eine umfassende Patientenedukation und klinische Überwachung in den Vordergrund stellen, statt rein bildgebungsbasierte Interventionen anzustreben.
// QUELLE
Maffulli N, Nilsson Helander K et al. Tendon appearance at imaging may be altered, but it may not indicate pathology. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2023; 31 (5): 1625-1628.
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