>> Das systematische Review hebt hervor, dass der Placebo-Effekt in der Behandlung der Patellasehnen-Tendinopathie sowohl wahrgenommen als auch tatsächlich signifikant ist.
// HINTERGRUND
Die Patellasehnen-Tendinopathie, auch bekannt als „Jumper’s Knee“, ist eine weit verbreitete Sportverletzung mit einer Prävalenz von 8,5% im Amateursportbereich und bis zu 45% im Profisport wie z.B. im Volleyball. Die Therapie ist aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse in Placebo-kontrollierten Studien umstritten. Diese systematische Übersicht und Meta-Analyse untersuchte deshalb den Placebo-Effekt bei nicht-chirurgischen Behandlungen der Patellasehnen-Tendinopathie und die Einflussfaktoren auf diese Reaktion.
// METHODIK
Die Analyse umfasste eine umfassende Literaturrecherche in Datenbanken wie PubMed, Web of Science, Embase, Scopus und der Cochrane Library. In die Studie wurden 14 randomisierte placebokontrollierte Studien (RCTs) mit 251 Patient*innen einbezogen, die sich mit nicht-operativen Behandlungen der Patellasehnen-Tendinopathie befassten: Intratendinöse Injektionen, extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), medizinische Pflaster, Taping, niedrigintensiver gepulster Ultraschall und Tabletten. Obwohl jährlich zahlreiche klinische Studien zur Wirksamkeit spezifischer Trainingsprotokolle veröffentlicht werden, fand die systematische Übersicht keine Studien, die therapeutische Übungen mit Placebo-Übungen verglichen. Der Grund hierfür ist, dass die Definition eines „Placebo-Übungsprotokolls“ sich als schwierig darstellt. Die primären Outcomeparameter waren der VISA-P-Score (Victorian Institute of Sport Assessment-Patella) und die Schmerzbewertung mittels visueller Analogskala (VAS).
// ERGEBNISSE
Die Ergebnisse zeigten signifikante Verbesserungen im VISA-P-Score von 13 Punkten nach 3-6 Monaten und 27 Punkten nach 6-12 Monaten. Bei der VAS wurde eine signifikante Schmerzreduktion von 1,5 Punkten nach 3-6 Monaten und 3,2 Punkten nach 6-12 Monaten festgestellt. Eine Meta-Regression ergab positive Korrelationen zwischen dem Placebo-Effekt und der Nachbeobachtungsdauer sowie der Effektgröße in der Experimentalgruppe.
// DISKUSSION
Das systematische Review hebt hervor, dass der Placebo-Effekt in der Behandlung der Patellasehnen-Tendinopathie sowohl wahrgenommen als auch tatsächlich signifikant ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit placebokontrollierter RCTs zur Bestimmung der tatsächlichen Wirksamkeit von Behandlungen. Längere Nachbeobachtungszeiträume zeigen tendenziell stärkere Placebo-Effekte. Der „Hawthorne-Effekt“ und die Anpassung der Patient*innen an gesündere Verhaltensweisen während der Studie können die Ergebnisse ebenfalls beeinflussen.Das systematische Review hebt hervor, dass der Placebo-Effekt in der Behandlung der Patellasehnen-Tendinopathie sowohl wahrgenommen als auch tatsächlich signifikant ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit placebokontrollierter RCTs zur Bestimmung der tatsächlichen Wirksamkeit von Behandlungen. Längere Nachbeobachtungszeiträume zeigen tendenziell stärkere Placebo-Effekte. Der „Hawthorne-Effekt“ und die Anpassung der Patient*innen an gesündere Verhaltensweisen während der Studie können die Ergebnisse ebenfalls beeinflussen.
// KONKLUSION
Der Placebo-Effekt bei nicht-chirurgischen Behandlungen der Patellasehnen-Tendinopathie ist langanhaltend (bis zu 12 Monate) und sowohl statistisch als auch klinisch signifikant. Die Größe des Placebo-Effekts korreliert mit der Nachbeobachtungsdauer und der Effektstärke der Behandlungen, was die Notwendigkeit randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) zur Bewertung neuer Therapieansätze unterstreicht. Obwohl viele Studien zu Übungsprotokollen vorliegen, fehlen bislang placebokontrollierte Vergleiche mit Placebo-Übungen.
// QUELLE
Previtali D, Albanese J, Romandini I et al. Placebo effect in the treatment of patellar tendinopathy and its influencing factors: systematic review with meta-analysis and meta regression of randomized controlled trials. Orthop J Sports Med 2024; 12 (8): 23259671241258477.
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