Wann und wie wirkt eine ultraschallgeführte Kortikosteroid-Injektion bei adhäsiver Kapsulitis?

> Frühe Behandlung –  schnelleres ROM wiedererlangen

// HINTERGRUND

Adhäsive Kapsulitis, auch als Frozen Shoulder bekannt, ist eine entzündliche und fibrotische Erkrankung des Schultergenlenks, deren Behandlung kontrovers diskutiert wird. Die Einteilung in Krankheitsstadien (1 bis 4) spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahl der Therapie. Insbesondere in den frühen Stadien (1 und 2) liegt ein entzündlicher Prozess vor, der durch Kortikosteroid-Injektionen adressiert werden könnte, um eine schnellere Wiederherstellung der Beweglichkeit und Reduktion von Schmerzen zu erzielen.

// METHODIK

Eine Studie untersuchte deshalb retrospektiv die Wirkung von ultraschallgeführten intraartikulären Injektionen bei 61 Patient*innen mit Stadium 1 oder 2. Ziel der Behandlung war die rasche Wiederherstellung der Beweglichkeit (Range of Motion, ROM) und Funktion. Die Patient*innen wurden aufgrund klinischer Untersuchung und dokumentierter Einschränkungen der ROM in 4 Ebenen (Flexion, Abduktion, Innen- und Außenrotation) diagnostiziert. Ultraschallgeführte Injektionen mit Kortikosteroid und Lokalanästhetikum wurden angewendet. Stadium 1 wurde anhand von Schmerz (Ruhe/Nacht) mit minimalem ROM-Verlust diagnostiziert, während bei Stadium 2 zusätzlich eine stärkere Beweglichkeitseinschränkung durch beginnende fibrotische Veränderungen bestand. Der Behandlungserfolg wurde über die Wiedererlangung des ROM im Vergleich zur Gegenseite bewertet.

// ERGEBNISSE

Patient*innen in Stadium 1 erholten sich signifikant schneller (2–6 Wochen) als jene in Stadium 2 (7–10 Wochen).

  • Stadium 1: 100% erreichten die ROM-Wiederherstellung in FLEX und IRO, 91% in ABD und 73% in ARO.
  • Stadium 2: Die Erfolgsquoten waren deutlich niedriger, mit 62% in FLEX, 60% in ABD, 72% in IRO und 50% in ARO.

// DISKUSSION

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine frühzeitige ultraschallgeführte intraartikuläre Injektion den Krankheitsverlauf signifikant verkürzt und eine schnellere Wiederherstellung des ROM ermöglicht. Die Diagnosestellung in den frühen Stadien ist jedoch herausfordernd, da Symptome wie Ruhe- und Nachtschmerz oft unspezifisch wirken. Die Therapie sollte durch ein auf Stadium 1 oder 2 abgestimmtes Konzept ergänzt werden, da unbehandelte Fälle zu längerfristigen Einschränkungen führen können. Limitierend ist, dass die Studie retrospektiv und ohne Kontrollgruppe durchgeführt wurde.

// KONKLUSION

Eine frühzeitige ultraschallgeführte Kortikosteroid-Injektion in Stadium 1 oder 2 ermöglicht eine deutlich schnellere und vollständigere Wiederherstellung der Beweglichkeit. Dies betont die Wichtigkeit einer frühen Diagnosestellung und eines stadienbasierten Therapieansatzes in der Behandlung der adhäsiven Kapsulitis.

// QUELLE

Ammerman BM, Dennis ER, Ling D et al. Ultrasound-guided glenohumeral corticosteroid injection for the treatment of adhesive capsulitis of the shoulder: the role of clinical stage in response to treatment. Sports Health. 2024; 16 (3): 333-339.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.