Wie gut ist die klinische Untersuchung bei akuter Syndesmosenverletzung?

>> Die klinische Untersuchung von akuten Syndesmosenverletzungen liefert wertvolle diagnostische Hinweise, insbesondere bei einem Eversionsunfallmechanismus oder einem positiven Squeeze-Test.

// HINTERGRUND

Akute Syndesmosenverletzungen des Sprunggelenks treten zwar seltener auf als Läsionen der lateralen Bandstrukturen, stellen jedoch eine erhebliche diagnostische Herausforderung dar. Während Rupturen der lateralen Bänder in der Regel gut durch klinische Tests erkannt werden können, erfordert die Diagnose einer Syndesmosenverletzung oft eine genauere Betrachtung. Eine unentdeckte Syndesmoseninstabilität kann zu langfristigen funktionellen Einschränkungen und chronischen Schmerzen führen, weshalb eine frühzeitige und präzise Diagnose entscheidend ist.

// METHODIK

In dieser prospektiven Studie wurden 150 Athletinnen mit akuten Sprunggelenksverletzungen, die innerhalb von sieben Tagen nach dem Unfall ärztlich untersucht wurden, einbezogen. Verletzungen, bei denen eine Fraktur vorlag oder ein MRT innerhalb von 10 Tagen nach der Verletzung nicht möglich war, wurden ausgeschlossen. Die klinische Untersuchung wurde von erfahrenen Orthopädinnen oder Sportmediziner*innen durchgeführt und umfasste sechs spezifische Tests zur Erkennung von Syndesmosenverletzungen (Bilder siehe Tabelle 1):

  • Palpation des Lig. tibiofibulare anterius
  • Squeeze-Test
  • Dorsalextensions-Außenrotationstest ohne Belastung
  • Dorsalextensions-Außenrotationstest unter Belastung
  • Fibula-Translationstest
  • Cotton-Test

Vor dem MRT wurde eine Gesamtbewertung der klinischen Verdachtsdiagnose durchgeführt, um die diagnostische Genauigkeit der klinischen Tests zu bewerten.

// ERGEBNISSE

Von den 150 untersuchten Fällen wiesen 26 eine Syndesmosenverletzung auf. Ein Eversionsmechanismus (Dorsalextension plus Pronation) der Verletzung zeigte eine hohe Assoziation mit dem Vorliegen einer Syndesmosenverletzung (Odds Radio = OR 4,99). Ein positiver Squeeze-Test war ebenfalls signifikant mit einer Syndesmosenverletzung verbunden (OR 3,25). Eine negative klinische Gesamtbewertung reduzierte die Wahrscheinlichkeit einer Syndesmosenverletzung signifikant.

// DISKUSSION

In der akuten Phase kann die klinische Untersuchung hilfreich sein, um Syndesmosenverletzungen frühzeitig zu erkennen. Auf Basis der Untersuchungsergebnisse lässt sich entscheiden, ob sofort weitere Diagnosetests notwendig sind oder ob die Untersuchung um einige Tage verschoben werden kann. Sportler*innen, die einen Verletzungsmechanismus mit Außenrotation zeigen oder bei denen der Squeeze-Test positiv ausfällt, sollten möglicherweise direkt ein MRT erhalten. Bei einer unauffälligen klinischen Gesamtbewertung kann die weitere Untersuchung um 5 bis 10 Tage verschoben werden. Allerdings reichte in der akuten Phase keine der getesteten Methoden aus, um eine Syndesmosenverletzung sicher auszuschließen. In solchen Fällen könnte ein dynamischer Ultraschall eine sinnvolle Alternative sein, um Klarheit zu schaffen.

// KONKLUSION

Die klinische Untersuchung von akuten Syndesmosenverletzungen liefert wertvolle diagnostische Hinweise, insbesondere bei einem Eversionsunfallmechanismus oder einem positiven Squeeze-Test. Eine negative klinische Gesamtbewertung verringert die Wahrscheinlichkeit einer Syndesmosenverletzung erheblich, reicht jedoch nicht aus, um diese vollständig auszuschließen. In Fällen, in denen eine vollständige Sicherheit erforderlich ist, sollten zusätzliche bildgebende Verfahren wie MRT oder dynamischer Ultraschall in Betracht gezogen werden, um die Diagnose zu bestätigen oder auszuschließen.

// QUELLE

Baltes TPA, Al Sayrafi O, Arnáiz J et al. Acute clinical evaluation for syndesmosis injury has high diagnostic value. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2022; 30 (11): 3871-3880.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.