Wie zuverlässig sind selbstberichtete Merkmale nach Hüftarthroskopie bei FAI?

>> Langzeitergebnisse von PROMIS und PROMS im Vergleich

// HINTERGRUND

Frühere Studien haben Schwellenwerte für den klinisch relevanten Unterschied (=Minimal Clinically Important Difference (MCID)) und den akzeptablen Symptomzustand (=Patient Acceptable Symptom State (PASS)) des Patient-Reported Outcomes Measurement Information System (PROMIS) nach einem Jahr Hüftarthroskopie bei Femoroazetabulärem Impingement (FAI) definiert. Es fehlen jedoch Schwellenwerte für den Zeitraum von zwei Jahren. Wissenschaftler aus Illinois zielten deshalb darauf ab, diese Schwellenwerte innerhalb einer Studie zu etablieren und die PROMIS-Scores mit spezifischen hüftspezifischen PROM-Scores zu vergleichen. PROMIS ist ein Computer-adaptiver Test, der die Item-Response-Theorie nutzt, um die Fragen basierend auf den vorherigen Antworten der Teilnehmenden auszuwählen. Das Ziel dabei ist, die Gesamtzahl der gestellten Fragen zu minimieren und die für das Ausfüllen des Fragebogens benötigte Zeit zu verkürzen. PROMIS wurde entwickelt, um adaptiv und gezielter auf den Krankheitszustand der Befragten einzugehen, indem die Fragen basierend auf den vorherigen Antworten angepasst werden. Das System wurde entwickelt, um die Decken- und Bodeneffekte herkömmlicher PROMs zu vermeiden und die Belastung durch lange Umfragen zu reduzieren.

// METHODIK

In dieser Kohortenstudie wurden 65 Personen untersucht, die eine primäre Hüftarthroskopie aufgrund eines FAI durchführen ließen (72,3 % weiblich, Durchschnittsalter 36,9 Jahre, Durchschnitts-BMI 26,2). Es wurden Daten vor und mindestens zwei Jahre nach der OP gesammelt. Die verwendeten Scores umfassten sowohl das PROMIS für Schmerzbeeinträchtigung und körperliche Funktion als auch hüftspezifische PROMs wie den Hip Outcome Score für Alltagsaktivitäten und Sport (HOS-ADL/-SS) sowie das International Hip Outcome Tool (iHOT) und die visuelle Analogskala (VAS) für Schmerzen. Die Schwellenwerte für den MCID und PASS wurden berechnet und verglichen.

// ERGEBNISSE

Der durchschnittliche Nachbeobachtungszeitraum betrug 25,3 Monate. Es wurden signifikante Verbesserungen von der prä- zur postoperativen Phase bei allen Bewertungsinstrument-en festgestellt. Die Schwellenwerte für den MCID und die Erfolgsquote für klinisch signifikante Ergebnisse waren wie folgt: HOS-ADL (10,1 und 75%), HOS-SS (13,8 und 79%), iHOT (14,0 und 67%), VAS (-13,8 und 78%), PROMIS für Schmerzbeeinträchtigung (-4,7 und 65%) und PROMIS für körperliche Funktion (5,8 und 60%). Die Schwellenwerte für den akzeptablen Symptomzustand und die Erfolgsquote klinisch signifikanter Ergebnisse waren: HOS-ADL (78,7 und 67%), HOS-SS (76,4 und 62%), iHOT (67,4 und 60%), VAS (25,5 und 61%), PROMIS für Schmerzbeeinträchtigung (57,0 und 65%) und PROMIS für körperliche Funktion (45,6 und 58%). Die PROMIS-Scores zeigten die stärksten Korrelationen mit den Scores HOS-ADL, -SS und iHOT und wiesen mindestens moderate Korrelationen mit anderen Bewertungsinstrumenten auf. Die körperliche Funktion im PROMIS zeigte moderate Korrelationen mit allen anderen Bewertungsinstrumenten, wobei starke Korrelationen zwischen den hüftspezifischen Bewertungsinstrumenten beobachtet wurden.

// DISKUSSION

Die Studie hat einige Einschränkungen: Der Nachbeobachtungszeitraum ist auf 2 Jahre begrenzt, was eine Validierung von PROMIS in der Hüftarthroskopie bei FAI über diesen Zeitraum hinaus erschwert. Es gab einen Verlust von 19,8% der Teilnehmenden, was zu einem möglichen Selektionsbias führen könnte. Das PROMIS für körperliche Funktion enthält keine hüftspezifischen Fragen, was seine Spezifität bei bestimmten Personen einschränken könnte. Zudem wurden alle Patient*innen von einem einzigen Chirurgen behandelt, was die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse einschränken könnte. Außerdem besteht eine geschlechtliche Verzerrung, da die Mehrheit der Teilnehmenden Frauen waren.

// KONKLUSION

Die PROMIS für körperliche Funktion und Schmerzbeeinträchtigung erwiesen sich als vielversprechende Alternativen zu den längeren und aufwendigeren herkömmlichen PROMs. PROMIS konnte die in den herkömmlichen PROMs beobachteten Boden- und Deckeneffekte erfolgreich mindern. Die Studie liefert neue Schwellenwerte für die PROMIS-Messinstrumente und belegt die relevante Beziehung zwischen diesen und hüftspezifischen Bewertungsinstrumenten. Diese Erkenntnisse sind wichtig für die klinische Entscheidungsfindung und die Bewertung der langfristigen Ergebnisse nach Hüftarthroskopien bei FAI.

// QUELLE

Vogel MJ, Wright-Chisem J, Alvero AB et al. The promising 2-year performance of the patient-reported outcomes measurement information system in primary hip arthroscopy for femoroacetabular impingement syndrome. Am J Sports Med. 2024; 52 (4): 998-1004.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.