Plantarer Fersenschmerz neu gedacht: Wie sieht ein zeitgemäßes Management aus?

>> Ein aktueller Evidenz-Update empfiehlt einen strukturierten Stufenplan (Stepped-Care), der mit einer 6-wöchigen „Kernbehandlung“ beginnt, bevor teurere interventionelle Maßnahmen erwogen werden sollten.

// HINTERGRUND

Der plantare Fersenschmerz ist eine häufige muskuloskelettale Beschwerde, die oft mit Risikofaktoren wie einem erhöhten Body-Mass-Index assoziiert ist. Die klinische Relevanz ergibt sich aus der erheblichen Einschränkung der körperlichen Aktivität und der psychosozialen Belastung. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, auf Basis aktueller Evidenz und Expert*innenmeinungen einen Best-Practice-Leitfaden für das physiotherapeutische Management zu erstellen.

// METHODIK

Die Empfehlungen basieren auf einem Mixed-Methods-Design, das Daten aus hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), Patient*innenperspektiven und Expert*inneninterviews (modifizierte Delphi-Methode) zusammenführt. Das Update schloss 15 neue RCTs ein, die strenge Qualitätskriterien (PEDro-Score ≥ 8/10) erfüllten.

// ERGEBNISSE

Die Analyse stützt ein abgestuftes Vorgehen, wobei die Basisversorgung (siehe Abbildung 1) über etwa 6 Wochen als obligatorisch gilt:

  • DO (Interventionen): Durchführung von spezifischen Dehnungen (Wadenmuskulatur und Plantarfaszie), individualisierter Edukation und Taping (z. B. Low-Dye-Taping).
  • DECIDE (Individuelles Assessment & Beratung): Evaluation von Belastungsmanagement (z. B. Aktivitätsmodifikation), Schmerzverständnis (Prognose, Monitoring), systemischer Gesundheit (Stoffwechsel, Körperzusammensetzung) und Schuhwerk (Komfort, Dämpfung).
  • DEVELOP (Lifestyle-Faktoren): Integration langfristiger Strategien zur Verbesserung von Ernährung, kardiovaskulärer Fitness und Schlafqualität.

// DISKUSSION

Die Studie betont, dass plantarer Fersenschmerz nicht rein biomechanisch betrachtet werden darf. Psychosoziale Faktoren wie Schmerzkatastrophisieren und Bewegungsangst korrelieren mit schlechteren Langzeitergebnissen und müssen adressiert werden. Eine Limitation bleibt die oft mangelnde Standardisierung der Edukation, die selten gemeinsam mit Betroffenen entwickelt wurde.

// KONKLUSION

Physiotherapeut*innen sollten für Patient*innen mit plantarem Fersenschmerz den „Core Approach“ implementieren: Eine sechswöchige Phase aus aktiven Maßnahmen (DO), individueller Beratung (DECIDE) und Lifestyle-Optimierung (DEVELOP). Erst bei Persistenz der Symptome sollten Stoßwellentherapie oder Einlagen folgen.

// QUELLE

Cotchett M, Munteanu SE, Landorf KB et al. Physiotherapy management of plantar heel pain. J Physiother 2026; 72: 1-15; doi.org/10.1016/j.jphys.2026.06.006.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.