Beeinflusst der Ankle-GO Score das Risiko einer Wiederverletzung nach Sprunggelenkstrauma?
> Prognose für erneute Verletzungen nach Sprunggelenkstrauma: Betroffene mit einem niedrigen Score (unter 8 Punkten) haben ein deutlich höheres Risiko.
// HINTERGRUND
Die laterale Sprunggelenksverletzung ist eine der häufigsten Sportverletzungen. Ein hoher Anteil der Betroffenen erleidet Rückfälle oder entwickelt eine chronische Sprunggelenkinstabilität. Eine Ursache für diese Rückfälle könnte die unzureichende Anwendung objektiver Kriterien bei der Entscheidung über die Rückkehr zum Sport nach der Verletzung sein. Diese Studie untersuchte deshalb den Ankle-GO Score, ein neues funktionelles Bewertungsinstrument, das helfen soll, das Risiko für eine erneute Verletzung innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Verletzung vorherzusagen.
An der Studie nahmen 64 aktive Personen teil, die zwei Monate nach ihrer lateralen Sprunggelenksverletzung den Ankle-GO Score (maximal 25 Punkte -siehe Tabelle 1) erhielten. Der Score setzt sich aus 2 selbstberichteten Fragebögen (Foot and Ankle Ability Measure (FAAM) Subskalen ADL und Sport; Ankle Ligament Reconstruction-Return to Sport after Injury (ALR-RSI)) und 4 funktionellen Tests (Single Leg Stance auf einer festen Unterstützungsfläche, modifizierter Star Excursion Balance Test, Side Hop Test, Figure-of-8 Test) zusammen. 2 Jahre nach der Verletzung wurde das Auftreten von Rückfällen erfasst. Verschiedene statistische Tests wurden genutzt, um prädiktive Faktoren für erneute Verletzungen zu bestimmen, und die Fähigkeit des Scores, das Rückfallrisiko vorherzusagen, wurde gemessen.
// ERGEBNISSE
55 der Teilnehmenden (85%) standen zur zweijährigen Follow-up-Untersuchung zur Verfügung, 18 (33,3%) erlitten eine erneute Verletzung. Betroffene mit einem Ankle-GO Score unter 8 Punkten hatten ein 9-fach höheres Risiko für eine erneute Verletzung (OR = 8,6). Der Ankle-GO Score zeigte eine gute Vorhersagekraft (AUC = 0,75) und war signifikant präziser als alle anderen getesteten Variablen. Frauen wiesen ein höheres Rückfallrisiko auf (OR = 3,8), obwohl der Ausgangs-Score bei beiden Geschlechtern vergleichbar war.
// DISKUSSION
Die Studie bestätigt, dass der Ankle-GO Score ein zuverlässiger Prädiktor für das Risiko einer erneuten Verletzung nach einer lateralen Sprunggelenksverletzung ist. Ein Score unter 8 Punkten identifiziert Betroffene mit einem signifikant höheren Rückfallrisiko. Eine Einschränkung der Studie ist, dass nur wenige Risikofaktoren wie Alter und Verletzungsschwere berücksichtigt wurden, was die Prognose beeinflussen könnte. Auch der Einfluss der Rehabilitation auf die Ergebnisse wurde nicht detailliert erfasst.
// KONKLUSION
Der Ankle-GO Score zeigt, dass Betroffene mit einem niedrigen Score (unter 8 Punkten) ein deutlich höheres Risiko für eine erneute Verletzung des Sprunggelenks haben. Die Entscheidung über die Rückkehr zum Sport sollte auf diesem objektiven Maß basieren und nicht nur auf zeitlichen Vorgaben. Insbesondere bei Frauen könnte eine genauere Einschätzung des Rückfallrisikos von großer Bedeutung sein. Übrigens kann der Ankle-GO-Score über die Webseite anklego.com berechnet werden, die eine kostenlose Registrierung erfordert.
Tabelle 1: Berechnung des Ankle-GO-Scores basierend auf funktionellen Leistungstests und patientenberichteten Ergebnissen. Die Punktzahl wird durch die Beurteilung verschiedener Tests zur funktionellen Stabilität des Sprunggelenks sowie durch die Auswertung von Fragebögen zur Lebensqualität und sportlichen Wiedereingliederung ermittelt. Höhere Punktzahlen deuten auf eine bessere funktionelle Leistung und ein geringeres Risiko für eine erneute Verletzung hin (eigene Übersetzung aus Picot et al. 2024).
Ankle GO Score downloaden
B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR
Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.