>>Bei den meisten Patient*innen kehrt die Schwellung auch nach zwei Jahren nicht auf das Ausgangsniveau zurück, was jedoch die langfristige Funktion nicht beeinträchtigt.
// HINTERGRUND
Postoperative Schwellungen, die sowohl durch Effusionen als auch durch Ödeme entstehen können, sind eine sehr häufige Beeinträchtigung nach einer Knie-Totalendoprothese (TEP). Diese Schwellungen können zu Schmerzen, einem verminderten Bewegungsumfang (ROM), muskulärer Inhibition und einer negativen Wahrnehmung des Heilungsverlaufs durch die Patient*innen führen. Da vermutet wird, dass Schwellungen die Quadrizepskraft reduzieren und die funktionelle Leistung mindern, hat ihre Begrenzung für Chirurg*innen und Patient*innen hohe Priorität. Da detaillierte Langzeitdaten zum Verlauf dieser Schwellungen über 90 Tage hinaus fehlten, untersuchte diese Studie den Verlauf über zwei Jahre.
// METHODIK
Die vorliegende Arbeit ist eine Sekundäranalyse einer randomisierten kontrollierten Studie mit 135 Teilnehmer*innen (Durchschnittsalter 64 Jahre, 60 % Frauen). Die Proband*innen wurden präoperativ sowie 10 Wochen, sechs Monate und zwei Jahre nach der TKA untersucht. Die Schwellung wurde mittels bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA) quantifiziert und als Verhältnis zwischen der operierten und der nicht-operierten Extremität dargestellt. Parallel dazu wurden Patient*innen-berichtete Outcomes (WOMAC, Zufriedenheit), funktionelle Tests (6-Minuten-Gehtest, Sit-to-Stand-Test) sowie klinische Parameter wie Kraft und ROM erhoben.
// ERGEBNISSE
Die Schwellung zeigte einen signifikanten Anstieg und eine langsame Rückbildung:
- Verlauf der Mittelwerte: Von 2,06 % (präoperativ) stieg die Schwellung auf 15,3 % (10 Wochen), sank auf 9,6 % (6 Monate) und lag nach zwei Jahren immer noch bei 5,4 %.
- Rückkehr zum Ausgangswert: Lediglich 5 % der Patient*innen erreichten nach 10 Wochen ihr präoperatives Niveau. Nach sechs Monaten waren es 12 % und nach zwei Jahren hatten erst 28 % der Teilnehmenden wieder ihren Ausgangszustand erreicht.
- Korrelation mit der Funktion: Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Schwellung und Funktion (WOMAC) bzw. Gehstrecke (6MWT) bestand nur in der 10. Woche. Nach sechs Monaten und zwei Jahren gab es keine statistisch signifikante Assoziation mehr zwischen der Schwellung und funktionellen Outcomes, Kraft oder dem ROM.
// DISKUSSION
Die Studie belegt, dass postoperative Schwellungen bei den meisten Patient*innen weit über die Akutphase hinaus bestehen bleiben, was auf eine veränderte Funktion des venösen und lymphatischen Systems hindeuten könnte. Dennoch ist diese persistierende Schwellung nicht mit einer schlechteren Erholung von Kraft oder Funktion assoziiert. Als Limitation der Studie gilt, dass die Schwellung nur über die BIA als indirektes Messverfahren bestimmt wurde, anstatt das Volumen direkt zu messen sowie die kleine Stichprobengröße, die möglicherweise nicht die gesamte Bevölkerung widerspiegelt. Zudem könnten unterschiedliche chirurgische Techniken und Nachbehandlungsprotokolle der 13 beteiligten Chirurg*innen die Ergebnisse beeinflusst haben.
// KONKLUSION
Für die physiotherapeutische Praxis ergeben sich folgende Kernpunkte:
- Gezielte Edukation: Informiere Patient*innen darüber, dass eine gewisse Schwellung normal ist und bei rund 72 % der Betroffenen auch zwei Jahre nach der OP noch über dem Ausgangsniveau liegt.
- Beruhigung statt Sorge: Da die dauerhafte Schwellung keinen negativen Einfluss auf die langfristige Kraft und Funktion hat, sollte sie nicht als Zeichen einer mangelhaften Heilung interpretiert werden.
- Fokus auf die Frühphase: Da Schwellungen primär in der frühen Phase (bis 10 Wochen) die Funktion beeinträchtigen, ist ein effektives Ödemmanagement (z.B. über Kompression, willkürliche Muskelkontraktionen sowie neuromuskuläre elektrische Stimulation (NMES)) in diesem Zeitraum besonders wichtig.
// QUELLE
Barton KI, Carson N, Jennings JM et al. Postoperative swelling did not return to preoperative levels in most patients two years after total knee arthroplasty. J Arthroplasty. 2026; S0883-5403 (26): 00411-0.
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