Einfluss limitierter Dorsalextension im OSG auf die Landebiomechanik
>> Bei Stoppsprüngen erhöhte patellofemorale Druckbelastung
// HINTERGRUND
In dynamischen Sportarten wie Basketball und Volleyball ist der Stoppsprung eine zentrale Bewegung, die Schnelligkeit und Körperkontrolle vereint. Dieser Ablauf besteht aus einem Anlauf, einem plötzlichen horizontalen Stopp und einem anschließenden Sprung – eine Technik, die das Sprunggelenk besonders stark beansprucht und Beweglichkeit erfordert. Studien zeigen, dass eine eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk, insbesondere bei der Dorsalextension, das Risiko für Verletzungen wie Patellasehnentendinopathie oder Instabilität erhöht und die Leistung beeinträchtigen kann. Eine verringerte Dorsalextension führt zu biomechanischen Anpassungen, die die Belastung auf die untere Extremität steigern. Das Verständnis dieser Zusammenhänge ist daher essenziell, um Verletzungen vorzubeugen und sportliche Leistungen zu optimieren.
// METHODIK
In einer Untersuchung an 18 männlichen Basketball- und Volleyballspielern analysierte ein chinesisches Forscherteam die Auswirkungen verschiedener Dorsalextensions-Einschränkungen auf die Biomechanik bei Stoppsprüngen. Die Probanden führten Stoppsprünge auf horizontalen und keilförmigen Platten in Winkeln von 0°, 10° und 20° aus (siehe Abbildung 1). Erfasst wurden die biomechanischen Parameter des dominanten Beins der Athleten, deren Daten anschließend anhand eines muskuloskelettalen Models analysiert wurden.
Mit abnehmender Dorsalextensionsfähigkeit des oberen Sprunggelenks (OSG) erhöhte sich die muskuläre Koaktivierung um das Kniegelenk sowie die Gelenkbelastung im Patellofemoralgelenk signifikant. Zudem nahmen die Rotationsmomente sowie Abduktionskräfte im Knie- und Hüftgelenk zu, was als Kompensationsmechanismus interpretiert wird, um trotz eingeschränkter Dorsalextension die Stabilität in den Landemomenten zu sichern.
// DISKUSSION
Diese Ergebnisse belegen, dass eine Einschränkung der Dorsalextension die Landemechanik bei Stoppsprüngen maßgeblich beeinflusst und somit einen potenziellen Risikofaktor für die Gelenkgesundheit darstellen könnte. Die gesteigerte Belastung der Kniegelenksmechanik könnte auf Dauer zu Überlastungsverletzungen führen. Eine präventive, beweglichkeitserhaltende Therapie des OSG erscheint daher für Athleten mit wiederholten Sprungbelastungen klinisch relevant.
// KONKLUSION
Sportphysiotherapeut*innen sollten die Dorsalextensionsbeweglichkeit im OSG als präventiven Ansatzpunkt im Training stärker in den Fokus rücken. Der Einsatz spezifischer mobilisierender Techniken und angepasster Sprungplattformen (z. B. Keilplatten) könnte langfristig Bewegungsökonomie verbessern und Überlastungsrisiken minimieren.
B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR
Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.