Führt ein Trainingsprotokoll mit hoher Intensität bei Achillessehnen-Tendinopathien zu Verbesserungen?
>> Nur die High-Load-Trainings-Gruppe zeigte signifikante Verbesserungen der Sehnensteifigkeit (+20,1 %), Querschnittsfläche (+8,98 %) und der maximalen Sehnendehnung (-12,4 %).
// HINTERGRUND
Eine Achillessehnen-Tendinopathie, gekennzeichnet durch Schmerz und Funktionsverlust, ist die häufigste Sehnenerkrankung der unteren Extremität. Verschiedene Therapieansätze existieren, fokussieren sich jedoch häufig auf die Schmerzlinderung, ohne die strukturellen Ursachen der Sehnendegeneration anzugehen. Eine Studie untersuchte deshalb, ob ein Trainingsprotokoll mit hoher Intensität, das in gesunden Sehnen zu mechanischen Anpassungen führt, auch bei Personen mit chronischer Achillessehnen-Tendinopathie strukturelle und funktionelle Verbesserungen bewirken kann.
// METHODIK
In einer randomisierten, kontrollierten klinischen Studie mit 44 männlichen Patienten wurde ein Sehnentrainingsprotokoll mit hoher Intensität mit einer exzentrischen Standardtherapie (Alfredson-Protokoll) und passiver Therapie über 12 Wochen verglichen (siehe Tabelle 1). Zu den untersuchten Parametern gehörten mechanische (Sehnensteifigkeit (=hohe Widerstandsfähigkeit), maximale Sehnendehnung), strukturelle (Sehnenquerschnittsfläche) und klinische (Schmerz, VISA-A-Score) Anpassungen. Zusätzlich wurden sekundäre Parameter wie Sprunghöhe und intratendinöse Vaskularität gemessen.
Tabelle 1: Interventionseigenschaften der beiden Übungsprotokolle (*Pausenzeiten hinzugefügt, jedoch ohne Warm-up) aus Radovanović et al. 2022
// ERGEBNISSE
Nur die High-Load-Trainings-Gruppe zeigte signifikante Verbesserungen der Sehnensteifigkeit (+20,1 %), Querschnittsfläche (+8,98 %) und der maximalen Sehnendehnung (-12,4 %). Auch die maximale Kraft der Plantarflexoren (MVC) verbesserte sich nur in dieser Gruppe (+7,2 %). Klinisch zeigte sich in allen Gruppen eine Verbesserung der VISA-A-Scores, während die Schmerzen (NRS) bei allen Patienten abnahmen. Sprungkrafttests zeigten in allen Gruppen eine Verringerung der CMJ-Höhe, ohne Veränderungen in der DJ-Höhe oder der Vaskularität.
// DISKUSSION
Das deutsche Forscherteam untersuchte ausschließlich Männer, weshalb unklar bleibt, ob ähnliche Effekte bei Frauen auftreten würden, da geschlechtsspezifische Unterschiede in der Sehnensteifigkeit und Hypertrophie bekannt sind. Außerdem wurden Insertions- und Midportion-Tendinopathie nicht separat analysiert. Die unterschiedlichen Pathologien könnten unterschiedliche Therapieansätze erfordern. Zudem umfasste die Studie keine Langzeitbeobachtung, sodass unklar ist, ob die beobachteten strukturellen Anpassungen zu einem langfristigen Schutz vor Überlastungsverletzungen führen.
// KONKLUSION
Training mit hoher Intensität stellt eine effektive Therapieoption zur Rehabilitation der Achillessehnen-Tendinopathie bei Männern dar. Die Methode fördert signifikante mechanische und strukturelle Anpassungen, die potenziell vor künftigen Überlastungsschäden schützen könnten. Zudem ist das Protokoll zeitsparend und einfach in den Alltag integrierbar, was die Patientenadhärenz erhöht – eine wertvolle Alternative oder Ergänzung zu bestehenden Therapieansätzen an.
B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR
Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.