Hilft Prähabilitation bei Fuß- und Sprunggelenksoperationen?

>> Während Prähabilitation in anderen orthopädischen Bereichen vielversprechende Ergebnisse zeigt, fehlt es noch an umfassenden Studien für den Bereich der Fuß- und Sprunggelenksoperationen. Die wenigen vorhandenen Daten sind auf kleine Fallserien beschränkt, und es mangelt an validierten, patientenbezogenen Ergebnissen sowie funktionellen Outcome-Messungen.

// HINTERGRUND

Erkrankungen und Operationen am Fuß und Sprunggelenk können vorübergehend die Mobilität und Unabhängigkeit einschränken. Während postoperative Rehabilitation eine wichtige Rolle spielt, sind modifizierbare Faktoren wie Kraft, allgemeine Funktionsfähigkeiten, mentale Gesundheit und Aufklärung bereits vor der Operation entscheidend für den Erfolg. Obwohl Prähabilitation bei Hüft- und Kniegelenksoperationen untersucht wurde, bleibt ihr Einfluss auf Fuß- und Sprunggelenksoperationen weitgehend unerforscht. Diese Übersichtsarbeit beleuchtet bestehende Prähabilitationsprogramme für andere Regionen der unteren Extremität und deren theoretischen Nutzen für geplante Fuß- und Sprunggelenksoperationen.

// METHODIK

Eine aktuelle Übersichtsarbeit fasste Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zusammen, in denen Prähabilitation in anderen orthopädischen Bereichen untersucht wurde. Das amerikanische Autorenteam nahm auf relevante Studien und Artikel zu Prähabilitation bei verschiedenen orthopädischen Eingriffen, wie Knie- und Hüftgelenksoperationen, Bezug.

// ERGEBNISSE

Derzeit gibt es nur wenige Studien, die die Wirkung von Prähabilitation auf die Ergebnisse bei Fuß- und Sprunggelenksoperationen untersuchen. Patient*innen leiden jedoch oft unter erheblichen körperlichen Einschränkungen, hoher psychischer Belastung und einer hohen Sturzgefahr nach der Operation. Das Autorenteam empfiehlt daher ein multimodales Prähabilitationsprogramm, das aus Patientenaufklärung, Gesundheitsoptimierung, Übungen und dem Training im Umgang mit Gehhilfen besteht (siehe Tabelle 1 und 2). Es gilt, den Körper optimal auf den stressreichen Eingriff vorzubereiten, die Sicherheit zu gewährleisten und die Dauer der funktionalen Abhängigkeit zu minimieren. Die bisherigen Studien zeigen, dass Prähabilitation die postoperative Erholung bei orthopädischen Eingriffen verbessern kann. Zwei kleinere Fallstudien deuten darauf hin, dass Prähabilitation, insbesondere in Form von präoperativer Aufklärung, die Verweildauer im Krankenhaus verkürzen und die Entlassbereitschaft verbessern kann.

// DISKUSSION

Während Prähabilitation in anderen orthopädischen Bereichen vielversprechende Ergebnisse zeigt, fehlt es noch an umfassenden Studien für den Bereich der Fuß- und Sprunggelenksoperationen. Die wenigen vorhandenen Daten sind auf kleine Fallserien beschränkt, und es mangelt an validierten, patientenbezogenen Ergebnissen sowie funktionellen Outcome-Messungen. Prähabilitation kann sinnvoll sein, ist jedoch nicht für alle Personen geeignet, insbesondere nicht bei akuten Verletzungen oder Notoperationen. Auch medizinische oder orthopädische Einschränkungen können eine Teilnahme verhindern. Die Adhärenz ist oft eine Herausforderung, besonders bei Personen mit geringer Ausgangsfunktion oder kognitiven Beeinträchtigungen. Bei Personen mit entzündlichen Arthrosen und erhöhter Gebrechlichkeit ist eine intensivere Betreuung nötig, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

// KONKLUSION

Die Vorteile der Prähabilitation in der orthopädischen Chirurgie sind anerkannt, doch besteht ein dringender Bedarf an weiterer Forschung, um den Nutzen für Fuß- und Sprunggelenksoperationen besser zu verstehen. Zukünftige Studien sollten sich auf validierte Outcome-Messungen und relevante postoperative Ereignisse konzentrieren.

ÜbungZielBeispielanweisungen
Gastrocnemius-Soleus (GS) DehnungVerbesserung der Dorsalextension zur Unterstützung der Gehfunktion30 Sek pro Bein halten, 3 Sätze pro Trainingseinheit, 2 Einheiten täglich
WadenpumpeVerbesserung der Beweglichkeit und Stabilität der Sprunggelenke; Dehnung und Kräftigung des GS-Komplexes und des M. tibialis anterior10 Wdh, 2x/Tag
4-Wege-FußgelenksübungenKräftigung des GS-Komplexes, M. tibialis anterior & posterior und der Peronealmuskulatur10 Wdh in Dorsalextension, Plantarflexion, Inversion und Eversion, 2x/Tag
Aktivierung M. gluteusKräftigung der Gesäßmuskulatur; Verbesserung der Rumpfstabilität, des Gangbilds und der Körperhaltung10 Wdh, 2x/Tag; kann auf Bridging-Übungen erweitert werden,
Aktivierung M. quadricepsKräftigung des M. quadriceps, Verbesserung der Knie-Biomechanik und der lumbopelvinen Stabilität10 Wdh, 2x/Tag; kann auf sitzende Knieext erweitert werden
Fersenschleifen in RLKräftigung des M. quadriceps, Hamstrings, Hüftbeuger und Gesäßmuskulatur10 Wdh pro Seite, 2x/Tag
Sraight Leg RaisesKräftigung der Hüftbeuger, Quadrizeps und Bauchmuskulatur; Verbesserung der Stabilität und Biomechanik von Hüfte und Wirbelsäule10 Wdh pro Seite, 2x/Tag
Hüftabduktion in SLKräftigung der Hüftabduktoren, Lumbopelvinen Region und des unteren Rückens10 Wdh pro Seite, 2x/Tag
Sitzende FußgelenkkreiseErhöhung der Beweglichkeit und Stabilität der Sprunggelenke; Dehnung und Kräftigung des GS-Komplexes, M tibialis anterior & posterior und der Peronealmuskulatur10 Wdh, 2x/Tag
Tiefe KniebeugenErhaltung der Dorsalextension; Kräftigung des GS-Komplexes, M. tibialis anterior, Quadrizeps, Hamstrings und Gesäßmuskulatur; Verbesserung von Balance, Stabilität und Propriozeption10 Wdh, 2x/Tag
WadenhebenKräftigung des GS-Komplexes und des M. tibialis posterior10 Wdh, 2x/Tag
EinbeinstandVerbesserung der Stabilität und Propriozeption von Sprunggelenk, Knie und Hüfte sowie von Balance und KoordinationBis zu 1 Min pro Seite halten, 2x/Tag. Kann mit geschlossenen Augen erweitert werden
Sitzender PushKräftigung der Trizeps-, Brust- und Schultermuskulatur10 Wdh, 2x/Tag
Tabelle 2: Beispiel für ein Prähabilitations-Übungsprogramm für Patient*innen vor Fuß- und Sprunggelenkoperationen aus Rhim et al. 2024

// QUELLE

Rhim HC, Schon JM, Xu R et al. Prehabilitation for patients undergoing elective foot and ankle surgery: A contemporary review. Foot Ankle Orthop. 2024; 9 (2): 24730114241255136.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.