Kann eine bessere Landetechnik Verletzungen im Sport vorbeugen?

>> Gezielt eingesetztes Lande- und Krafttraining kann das Verletzungsrisiko bei Landungen deutlich reduzieren.

// HINTERGRUND

In Sportarten, die Sprünge oder schnelle Stopps/Drehbewegungen erfordern, ist eine präzise Landetechnik von entscheidender Bedeutung. Diese Landetechnik erfordert eine gut koordinierte Bewegung der Gelenke der unteren Extremität sowie ein richtiges Alignment von Hüft-, Knie- und Sprunggelenken, um die beim Aufprall auftretenden Kräfte effektiv zu absorbieren. Verletzungen während solcher Bewegungen sind leider allzu häufig und können erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und sportliche Leistungsfähigkeit der Athlet*innen haben. Bisherige Studien haben gezeigt, dass bestimmte Faktoren, wie eine steife Landung mit kleinem Knieflexionswinkel und ein größerer Knievalgus, das Verletzungsrisiko erhöhen können. Daher hat ein internationales Forscherteam verschiedene Trainingsinterventionen zur Verletzungsprävention untersucht.

// METHODIK

Das systematische Review mit Meta-Analyse umfasste eine umfangreiche Datenrecherche in MEDLINE, Scopus und SPORTDiscus. Berücksichtigt wurden Studien, die Trainingseinheiten zur Reduktion biomechanischer Risikofaktoren oder Verletzungsraten beinhalteten (Verbesserung der Landetechnik durch Hinweise und Feedback und koordinative Methoden, dynamisches oder statisches Krafttraining, Balancetraining). Eingeschlossen wurden prospektive oder (nicht-) randomisierte kontrollierte Studien, die Risikofaktoren mittels validen zwei- oder dreidimensionalen Bewegungsanalysesystemen oder dem Landing Error Scoring System während Sprunglandungen maßen. Insgesamt erfüllten 31 Studien mit 11 unterschiedlichen Trainingsinterventionen und 974 Teilnehmenden (65 % weiblich) die Einschlusskriterien.

// ERGEBNISSE

Die Analyse zeigte, dass ein Training, das auf die Reduktion von biomechanischen Risikofaktoren abzielt, sowie dynamisches Krafttraining signifikant den Knieflexionswinkel erhöht (und somit verbessert). Externe Anweisungen und Feedback zur Ausführung von Sprunglandungen, und dynamisches Krafttraining, also Plyometrie mit steigender Intensität, können biomechanische Risikofaktoren bei Landungen reduzieren. Die Prävention von Verletzungen nach Sprunglandungen erfordert moderaten Zeitaufwand (etwa 30 Min), grundlegendes Trainingsmaterial wie Kegel und kleine Hürden und meist keine spezielle Trainerausbildung (detaillierte Inhalte siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Eigene Darstellung der erfolgreichsten Trainingsinterventionen zur Verletzungsprävention aus der Studie Bathe et al. 2023

// DISKUSSION

Die Ergebnisse betonen, dass selbst einfache Hinweise mit Feedback erhebliche biomechanische Verbesserungen und eine Verringerung des Verletzungsrisikos bewirken können. Dies ist besonders relevant im Amateursport und für Trainer*innen, die möglicherweise nicht über umfangreiche Ressourcen verfügen. Hinweise mit Feedback allein oder in Kombination mit dynamischem Krafttraining, kann effektiv in den Trainingsalltag integriert werden. Statisches Balancetraining auf einem Wackelbrett allein hatte keinen signifikanten Effekt auf die Reduzierung von Risikofaktoren und wird daher nicht empfohlen.

// KONKLUSION

Gezielt eingesetztes Lande- und Krafttraining kann das Verletzungsrisiko bei Landungen deutlich reduzieren. Trainer*innen im Amateursport können mit einfachen Methoden effektiv zur Verletzungsprävention beitragen.

// QUELLE

Bathe C, Fennen L, Heering T et al. Training interventions to reduce the risk of injury to the lower extremity joints during landing movements in adult athletes: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open Sport Exerc Med 2023; 9 (2): e001508.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.