>> Ein MOCART-Score von über 55 Punkten in der frühen MRT-Kontrolle ist ein signifikanter Prädiktor für die langfristige Zufriedenheit der Patient*innen nach einer Knorpeltransplantation.
// HINTERGRUND
Die autologe Chondrozyten-Implantation (ACI) ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung fokaler Knorpeldefekte am Knie. Besonders das Patellofemoralgelenk stellt aufgrund seiner komplexen Geometrie und der hohen Kontaktkräfte eine klinische Herausforderung dar. Während die MRT zur Beurteilung der Transplantatreifung (Integration, Defektfüllung) genutzt wird, war der Zusammenhang zwischen frühen MRT-Befunden und dem Erreichen eines für Patient*innen akzeptablen symptomatischen Zustands (= Patient Acceptable Symptomatic State =PASS) bisher unklar. Diese Studie untersuchte, ob der MOCART-Score (Magnetic Resonance Observation of Cartilage Repair Tissue) nach sechs Monaten den klinischen Erfolg vorhersagen kann. Der MOCART-Score ist ein standardisiertes Bewertungssystem, mit dem die Reifung und Qualität (& der radiologische Heilungsprozess) von Knorpelersatzgewebe (insbesondere nach einer ACI) objektiv mittels MRT beurteilt werden kann (0-100 Punkte).
// METHODIK
In dieser retrospektiven Studie wurden 34 Patient*innen (Medianalter 35,1 Jahre) mit Grad-IV-Knorpeldefekten an Patella oder Trochlea untersucht, die mittels matrixassoziierter ACI (MACI) behandelt wurden.
- Bildgebung: Ermittlung des MOCART-Scores mittels MRT durchschnittlich 7 Monate postoperativ.
- Outcomes: Erfassung des PASS („Betrachten Sie Ihr aktuelles Symptomniveau als akzeptabel?“) sowie des KOOS QoL nach durchschnittlich 3,7 Jahren.
- Analyse: Bestimmung eines Schwellenwertes mittels ROC-Analyse (siehe Tabelle 6: ROC AUC Analyse).
// ERGEBNISSE
Die Ergebnisse unterstreichen die prognostische Relevanz der frühen Bildgebung:
- Zufriedenheitsrate: 74 % der Patient*innen erreichten den PASS nach mindestens einem Jahr.
- Korrelation: Patient*innen, die mit ihrem Zustand zufrieden waren (PASS erreicht), hatten signifikant höhere durchschnittliche MOCART-Scores (61,8) als unzufriedene Patientinnen (45,0).
- Prädiktiver Schwellenwert: Ein MOCART-Wert von über 55 war mit der höchsten Wahrscheinlichkeit assoziiert, sowohl den PASS als auch eine klinisch wichtige Verbesserung (MCID) im KOOS QoL zu erreichen.
- Einflussfaktoren: Alter, Geschlecht, BMI sowie Größe und Ort der Läsion hatten keinen signifikanten Einfluss auf das Erreichen des PASS.
// DISKUSSION
Die Studie belegt einen direkten Zusammenhang zwischen der radiologischen Transplantatreifung und dem subjektiven Empfinden der Patien*tinnen. Höhere Scores spiegeln eine bessere Integration und Füllung des Defekts wider. Limitationen: DieAutor*innen nennen die kleine Stichprobengröße sowie das Single-Surgeon-Design als Einschränkungen, die die Generalisierbarkeit beeinflussen könnten. Zudem könnten Auswahl- und Antwortbias durch die telefonische Befragung entstanden sein.
// KONKLUSION
Für die physiotherapeutische und ärztliche Praxis ergeben sich wichtige Impulse für die Verlaufsbeobachtung:
- Frühe Prognose: Der MOCART-Score nach 6 Monaten ist ein wertvolles Werkzeug, um den weiteren Heilungsverlauf einzuschätzen.
- Gezielte Nachsorge: Patient*innen mit einem Score von 55 oder weniger sollten engmaschiger betreut werden, da bei ihnen ein höheres Risiko für eine unzureichende Symptomkontrolle besteht.
- Objektivierbarkeit: Die MRT bietet über die reine Strukturbeurteilung hinaus eine Orientierung für die zu erwartende Patientenzufriedenheit.
// QUELLE
Retzky JS, Fletcher C, Rizy M et al. Magnetic Resonance Observation of Cartilage Repair Tissue (MOCART) Scores > 55 at 6 Months Postoperative Predict Ability to Achieve Patient Acceptable Symptomatic State at Minimum 1 Year Postoperative Following Autologous Chondrocyte Implantation for Grade IV Chondral Defects About the Patellofemoral Joint. Cartilage 2025; 16(1): 17–23.
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