Sind Return-To-Sport-Tests nach VKB-OP sinnvoll?

>> RTS-Tests nach einer VKB-OP sind kein Allheilmittel gegen erneute Kniegelenkverletzungen, scheinen jedoch das Risiko einer Transplantat-Ruptur zu verringern.

// HINTERGRUND

Die Rückkehr zum Sport nach einer OP des vorderen Kreuzbands (VKB) ist für viele Sportler*innen entscheidend, doch bleibt das Risiko einer erneuten Verletzung ein zentrales Thema. Vor allem Sportarten wie Fußball, Basketball oder Handball bergen ein erhöhtes Risiko für VKB-Verletzungen, insbesondere bei Athletinnen. Eine VKB-Rekonstruktion mit anschließender Rehabilitation gilt als Goldstandard, um Stabilität und Funktion des Kniegelenks wiederherzustellen und eine Rückkehr zum Sport zu ermöglichen. Dabei sollen Return-to-Sport (RTS)-Tests helfen, die Sicherheit und Belastbarkeit nach der Rehabilitation zu bewerten, indem sie Aspekte wie Kraft, Funktion und neuromuskuläre Kontrolle überprüfen. Diese Tests werden eingesetzt, um das Risiko von Wiederverletzungen zu minimieren. Doch liefern Studien widersprüchliche Ergebnisse zur Schutzwirkung von RTS-Tests. Ziel dieser Meta-Analyse war es daher, die Rolle von RTS-Tests bei der Prognose von Verletzungsrisiken nach VKB-Rekonstruktion systematisch zu untersuchen.

// METHODIK

Ein chinesisches Forscherteam führte systematische Recherchen in den Datenbanken MedLine, Embase und Cochrane Library durch. Einschlusskriterien waren die Untersuchung von RTS-Tests und deren Einfluss auf Kniegelenkverletzungen, sekundäre VKB-Verletzungen, Verletzungen des kontralateralen VKBs und Transplantat-Rupturen. Von den eingeschlossenen neun Studien waren sieben prospektiv, zwei retrospektiv. Die Studien umfassten Athlet*innen im Alter von 12-28 Jahren, wobei die Ergebnisse mittels Odds Ratios (ORs) und 95%-Konfidenzintervallen (CIs) analysiert wurden.

// ERGEBNISSE

Die Analyse zeigte, dass das Bestehen eines RTS-Tests keinen signifikanten Zusammenhang mit einem reduzierten Risiko für Kniegelenkverletzungen (OR: 0,95), sekundäre VKB-Verletzungen (OR: 0,98) oder kontralaterale VKB-Verletzungen (OR: 1,53) hatte. Hingegen war das Risiko für eine Transplantat-Ruptur deutlich geringer (OR: 0,49). Interessanterweise wurde der schützende Effekt vor allem in europäischen Studien beobachtet, was möglicherweise auf strengere Testkriterien im Vergleich zu den USA zurückzuführen ist.

// DISKUSSION

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass RTS-Tests nicht alle Risiken gleichermaßen minimieren können. Die reduzierte Transplantat-Ruptur-Rate spricht jedoch für den Nutzen von RTS-Tests, insbesondere bei jüngeren Athleten unter 25 Jahren. Unterschiede zwischen den Ländern und der Studienqualität könnten die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem gab es Limitationen durch methodische Heterogenität, mögliche Verzerrungen in retrospektiven Studien und fehlende Kontrolle für Störfaktoren.

// KONKLUSION

RTS-Tests nach einer VKB-OP sind kein Allheilmittel gegen erneute Kniegelenkverletzungen, scheinen jedoch das Risiko einer Transplantat-Ruptur zu verringern. Insbesondere jüngere Athleten könnten von einer strukturierten Rückkehrbewertung profitieren. Physiotherapeut*innen sollten die Ergebnisse differenziert betrachten und RTS-Tests als einen Baustein in einem umfassenden Rehabilitationskonzept nutzen.

// QUELLE

Zhou W, Liu X, Hong Q et al. Association between passing return-to-sport testing and re-injury risk in patients after anterior cruciate ligament reconstruction surgery: a systematic review and meta-analysis. PeerJ. 2024; 12: e17279.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.