Spezifische vs. allgemeine Übungen für HWS-Extensoren bei chronischen Nackenschmerzen

>> Kein Unterschied zwischen spezifischen und allgemeinen Übungen

// HINTERGRUND

Chronische Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten muskuloskelettalen Beschwerden und führen zu erheblichen Belastungen im Alltag. Funktionelle und strukturelle Veränderungen der HWS-Extensoren sind bei Betroffenen häufig zu beobachten, ebenso wie eine fehlerhafte Koordination zwischen den tiefen und oberflächlichen Flexoren der HWS. Es wird angenommen, dass die Behandlung solcher Funktionsstörungen durch gezielte Übungen der HWS-Extensoren zur Linderung der Beschwerden beitragen kann. Ein internationales Forscherteam verglich deshalb die Wirksamkeit eines spezifischen Trainings für die unteren tiefen HWS-Extensoren mit einem allgemeinen Übungsansatz für alle HWS-Extensoren bei Frauen mit chronischen idiopathischen Nackenschmerzen.

// METHODIK

In der randomisierten, kontrollierten Studie wurden 46 Frauen mit chronischen idiopathischen Nackenschmerzen untersucht. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe absolvierte ein spezifisches Übungsprogramm für die unteren tiefen HWS-Extensoren, während die andere ein allgemeines Übungsprogramm für die HWS-Extensoren durchführte. Beide Programme umfassten sechs Wochen Training, mit jeweils Betreuung (1x/Woche) und täglichen Heimübungen. Die Ergebnismessung erfolgte anhand des Neck Disability Index (NDI), der die funktionelle Einschränkung durch Nackenschmerzen misst.

// ERGEBNISSE

Beide Übungsprogramme führten zu signifikanten Verbesserungen in der Beweglichkeit der HWS, der Schmerzintensität sowie der Druckschmerzempfindlichkeit. Auch die Beeinträchtigung (gemessen mittels NDI) reduzierte sich in beiden Gruppen sowohl sofort nach der Intervention als auch nach sechs Monaten. Es wurden jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf die Verbesserungen festgestellt. Zudem lagen die Ergebnisse hinsichtlich des MCID (Minimal Clinically Important Difference) unter den Erwartungen, was auf eine eher begrenzte klinische Relevanz der Verbesserungen hinweist.

// DISKUSSION

Die geringe Stichprobengröße und die kurze Studiendauer von nur sechs Wochen könnten die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem ist die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Patientengruppen (z.B. Männer oder Personen mit stärkeren Beschwerden) eingeschränkt, da nur Frauen mit milden bis moderaten Beschwerden eingeschlossen wurden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die ermittelten Verbesserungen den MCID nicht überschritten, was auf eine begrenzte klinische Relevanz der Interventionen hinweist.

// KONKLUSION

Beide Übungsprogramme führten zu ähnlichen Verbesserungen, ohne signifikante Unterschiede zwischen den spezifischen und allgemeinen Übungen für die HWS-Extensoren. Da die Verbesserungen unterhalb des Schwellenwerts für klinisch bedeutsame Veränderungen lagen, könnte die tatsächliche Auswirkung der Interventionen begrenzt sein.

// QUELLE

Giménez-Costa M, Schomacher J, Murillo C et al. Specific versus non-specific exercises for the neck extensor muscles in women with chronic idiopathic neck pain: A randomized controlled trial. Musculoskelet Sci Pract. 2022; 60: 102561.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.