Verhindert frühzeitiges Training persistierende Schmerzsyndrome nach lumbaler Wirbelsäulen-OP?

>> Frühzeitiges Training zeigt klare Vorteile

// HINTERGRUND

Das „persistierende Wirbelsäulenschmerzsyndrom Typ 2“ (=Persistent Spinal Pain Syndrome Type 2 (PSPS-T2)), früher bekannt als „Failed Back Surgery Syndrome“ (FBSS), ist ein Begriff, der ein unbefriedigendes Ergebnis nach LWS-OP beschreibt. Solche anhaltenden Rückenschmerzen treten trotz anatomisch und radiologisch erfolgreichem Eingriff in 10–40 % der Fälle auf. Ursachen sind häufig unklar, jedoch wird eine Sensibilisierung des zentralen und peripheren Nervensystems als Hauptfaktor vermutet. Dies legt nahe, dass frühe postoperative Interventionen, die Schmerz und Sensibilisierung minimieren, entscheidend sein könnten. Eine aktuelle Studie aus China untersuchte deshalb, ob ein früh initiiertes Übungsprogramm das Risiko für PSPS-T2 im Vergleich zu herkömmlichen Übungsansätzen senkt.

// METHODIK

Die multizentrische, prospektive, randomisierte kontrollierte Studie mit 395 Patient*innen untersuchte zwei postoperative Trainingsansätze nach einer modifizierten transforaminalen lumbalen Fusion (TLIF).

  • Sequenzielles Training: Schrittweise und systematisch aufeinander aufbauende Übungen. Beginn mit motorischer Kontrolle am 1. Tag nach der OP und Stabilisationstraining ab der 5. Woche (Brücke, VFST, Seitstütz, Aktivierung M. transversus abdominis in RL…).
  • Konventionelles Training: Stabilisation und motorische Kontrolle erst ab der 5. Woche.

Die Teilnehmenden wurden ein Jahr lang nachuntersucht. Hauptoutcomeparameter waren Schmerzintensität (NRS), Oswestry Disability Index (ODI), Druckschmerzsensibilität, temporale Summation (TS) und muskuläre Parameter wie Fettinfiltration und M. transversus abdominis (TrA)-Aktivierungskapazität.

// ERGEBNISSE

Das sequenzielle Training führte zu signifikanten Vorteilen: Nach drei Monaten waren Schmerzen, zentrale Sensibilisierung (TS) und Fettinfiltration im Vergleich zur Kontrollgruppe geringer. Nach einem Jahr zeigte die sequenzielle Gruppe weniger PSPS-T2-Fälle (5,1 % vs. 11 %) und geringere Angst-Vermeidungsüberzeugungen (FABQ). Frühere Veränderungen in der Druckschmerzsensibilität und TS korrelierten mit besseren Langzeitergebnissen.

// DISKUSSION

Das sequenzielle Training scheint durch die Reduktion der Sensibilisierung sowohl zentral als auch peripher wirksam zu sein. Isometrische Übungen aktivieren schmerzmodulierende Mechanismen und fördern die muskuläre Rehabilitation. Die Studie weist jedoch methodische Einschränkungen auf, darunter geringe Patientenzahlen mit PSPS-T2 und der Verzicht auf erweiterte Langzeitanalysen.

// KONKLUSION

Frühzeitige, gezielte motorische Kontrolle kombiniert mit späterem Stabilisationstraining bietet eine effektive Möglichkeit, anhaltende postoperative Rückenschmerzen nach LWS-OPs zu verhindern. Physiotherapeut*innen sollten diesen Ansatz in die Rehabilitation integrieren, um zentrale und periphere Sensibilisierung frühzeitig zu adressieren.

// QUELLE

Nie C, Chen K, Huang M et al. Postoperative early initiation of sequential exercise program in preventing persistent spinal pain syndrome type-2 after modified transforaminal lumbar interbody fusion: a prospective randomized controlled trial. Eur Spine J. 2024; doi: 10.1007/s00586-024-08541-x.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.