Was wirkt besser bei plantaren Fersenschmerzen: PRP-Injektionen oder gezielte Dehnübungen?

>> Sowohl PRP-Injektionen als auch gezielte Dehnübungen der Wadenmuskulatur können bei plantarem Fersenschmerz eine signifikante Schmerzlinderung bewirken.

// HINTERGRUND

Plantarer Fersenschmerz (ehemals Plantarfasziitis oder Plantarfasziopathie) ist die häufigste Ursache für Schmerzen im Bereich der Ferse und entsteht meist durch Überlastung. Die Beschwerden treten typischerweise beim ersten Auftreten morgens oder nach Ruhephasen auf und betreffen die Plantarfaszie. Da keine einzelne Therapie als Standard gilt, existieren zahlreiche Ansätze, darunter Steroidinjektionen, Physiotherapie und orthopädische Maßnahmen. Besonders Plättchenreiches Plasma (PRP) hat in jüngster Zeit aufgrund seiner regenerativen Eigenschaften an Bedeutung gewonnen. Eine indische Studie verglich daher die Wirksamkeit von PRP-Injektionen mit einer konservativen, häufig genutzten Maßnahme: gezielte Dehnübungen der Wadenmuskulatur.

// METHODIK

Die Studie wurde als randomisierte kontrollierte Untersuchung durchgeführt. Über einen Zeitraum von drei Jahren behandelten die Autoren 66 Patient*innen mit plantarem Fersenschmerz an einem Zentrum in Indien. Die Zuteilung in die beiden Gruppen erfolgte per Zufallsprinzip: In der PRP-Gruppe wurde zunächst venöses Blut entnommen, nach Zentrifugation Plättchenreiches Plasma gewonnen und an der Stelle der größten Druckschmerzhaftigkeit in die Ferse injiziert. Die andere Gruppe erhielt eine Demonstration der Übungen, darunter Dehnungen an der Wand, Ausrollen der Faszie mit einem Ball und Handtuch-Curls für die Zehen, die regelmäßig zu Hause durchgeführt werden sollten. Die Schmerzlinderung wurde mittels VAS vor und nach der Intervention sowie nach 2, 6 und 12 Wochen dokumentiert.

// ERGEBNISSE

Die Studie zeigte, dass beide Therapieansätze effektiv zur Linderung des plantaren Fersenschmerzes beitrugen. Nach der Behandlung kam es in beiden Gruppen zu einer signifikanten Schmerzreduktion. Direkt nach der Intervention sank der VAS-Wert in der PRP-Gruppe auf 4,6, während er in der Übungsgruppe bei 5,2 lag. Im Verlauf der 12 Wochen zeigten beide Gruppen kontinuierliche Verbesserungen. Am Ende der Studie lagen die VAS-Werte bei 2,3 in der PRP-Gruppe und 2,2 in der Übungsgruppe. Ein bemerkenswerter Unterschied zeigte sich bei der Langzeitbeobachtung: In der PRP-Gruppe kam es bei vier Patient*innen zu Rezidiven, während in der Übungsgruppe keine Rückfälle auftraten.

// DISKUSSION

PRP-Injektionen fördern die Gewebeheilung durch Wachstumsfaktoren, sind jedoch nicht risikofrei und weisen ein erhöhtes Rezidivrisiko auf. Im Vergleich dazu erzielten Dehnübungen eine ähnliche Schmerzlinderung ohne Nebenwirkungen und Rezidive, was ihre Nachhaltigkeit unterstreicht. Obwohl die Schmerzreduktion in beiden Gruppen statistisch signifikant war, bleibt unklar, ob diese Veränderungen auch klinisch relevant für die Patient*innen waren. Außerdem wurde die Art der Übungen zwar benannt, jedoch fehlen konkrete Trainingsparameter wie Häufigkeit, Dauer und Intensität. Die Autoren betonen die geringe Fallzahl und empfehlen größere, multizentrische Studien zur Ergebnisvalidierung.

// KONKLUSION

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass sowohl PRP-Injektionen als auch gezielte Dehnübungen der Wadenmuskulatur bei plantarem Fersenschmerz eine signifikante Schmerzlinderung bewirken können.

// QUELLE

Khobragade AS, Barick D, Parmar K et al. Comparison of the effectiveness of platelet-rich plasma injection versus plantar-specific calf stretching exercises in patients with plantar fasciitis: a randomized controlled trial. Cureus. 2024; 16 (8): e67992.

Jetzt unsere Kurse und Fortbildungen entdecken!

Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.