Wie beeinflussen Krafttrainingsparameter die Behandlung von Tendinopathien?
>> Die Meta-Analyse ergab, dass höhere Intensitäten des Krafttrainings, insbesondere mit zusätzlichem externem Widerstand (z.B. Gewichte), im Vergleich zu Übungen mit reinem Körpergewicht zu größeren Verbesserungen führten.
// HINTERGRUND
Tendinopathien sind eine weit verbreitete Erkrankung, die sowohl Sportlerinnen als auch Nicht-Sportlerinnen betrifft und häufig an der Achillessehne, der Rotatorenmanschette, dem lateralen Ellenbogen sowie der Patellasehne auftritt. Krafttraining gilt als die Hauptsäule in der konservativen Therapie. Bisher ist jedoch wenig darüber bekannt, wie verschiedene Parameter des Krafttrainings – einschließlich Intensität, Volumen und Frequenz – die Ergebnisse der Betroffenen beeinflussen.
// METHODIK
Dieses systematische Review mit Meta-Analyse analysierte die Ergebnisse von 110 Studien mit insgesamt 3953 Teilnehmenden, die verschiedene Formen des Krafttrainings zur Behandlung von Tendinopathien untersuchten. Die Datensätze umfassten fünf häufig betroffene Bereiche von Tendinopathien: Rotatorenmanschette, Achillessehne, lateraler Ellenbogen, Patellasehne und Glutealmuskulatur. In die Analyse wurden nur Studien eingeschlossen, die ausreichende Informationen zu mindestens zwei Komponenten der Trainingsdosis (Intensität, Volumen, Frequenz) lieferten.
// ERGEBNISSE
Die Meta-Analyse ergab, dass höhere Intensitäten des Krafttrainings, insbesondere mit zusätzlichem externem Widerstand (z.B. Gewichte), im Vergleich zu Übungen mit reinem Körpergewicht zu größeren Verbesserungen führten. Weiterhin zeigte sich, dass Trainingseinheiten mit geringerer Frequenz (weniger als einmal täglich) effektiver waren als tägliche oder mehrmals tägliche Einheiten, da sie wahrscheinlich mehr Erholungszeit ermöglichten. Keine eindeutigen Ergebnisse konnten für das Trainingsvolumen ermittelt werden.
Die Studienlage zu Krafttraining bei Tendinopathien weist erhebliche Variationen in der Berichterstattung der Trainingsdosis auf, was die Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert. Zudem wurde nur unzureichend auf das Trainingsvolumen eingegangen, was die Interpretation der Dosis-Effekte erschwert. Zukünftige Studien sollten standardisierte Berichterstattungsrichtlinien nutzen, um die Rolle der verschiedenen Parameter besser zu verstehen.
// KONKLUSION
Bei der Behandlung von Tendinopathien sollten Physiotherapeut*innen auf folgende Punkte achten (siehe Abbildung 1):
Trainingsintensität erhöhen: Wenn es der Zustand der Patient*innen erlaubt, sollte das Krafttraining schrittweise intensiviert werden. Es ist sinnvoll, zusätzliche Gewichte oder externe Widerstände einzusetzen, anstatt nur mit dem Körpergewicht zu arbeiten.
Frequenz verringern: Um eine ausreichende Regeneration sicherzustellen, sollten die Trainingseinheiten seltener durchgeführt werden – idealerweise weniger als einmal täglich. Dies verhindert Überlastung und ermöglicht den Sehnen genügend Erholungszeit.
Schrittweise Steigerung: Für Patient*innen, die nicht sofort hohe Intensitäten vertragen, sollte das Training langsam und progressiv aufgebaut werden, um die Belastbarkeit der Sehnen schrittweise zu erhöhen.
B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR
Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.