Wie lässt sich die Patellasehnenbelastung bei Kniebeugen individuell optimieren?

>> Individuelle Variabilität erfordert personalisierte Trainingsansätze

// HINTERGRUND

Die Belastung der Patellasehne während Übungen ist entscheidend für die Sehnenanpassung. Es gibt Hinweise auf eine optimale Belastungsbandbreite („Sweet Spot“), die den anabolen Reiz für die Sehne maximiert, während Über- oder Unterbelastung die Struktur der Sehne beeinträchtigen kann. Bisher basieren Empfehlungen zur Belastung hauptsächlich auf dem 1RM (Maximalkraft bei einer Wiederholung), doch die tatsächliche Belastung der Patellasehne während Kniebeugen ist unklar.

// METHODIK

Ein Forscherteam der Humboldt-Universität zu Berlin quantifizierte die Belastung der Patellasehne bei Back Squats mit 40%, 60% und 80% des 1RM und bei maximaler isometrischer Kniestreckung (MVC) mittels Ultraschall. 10 Athleten führten Back Squats durch, wobei Bodenkontaktkräfte, Kinematik und EMG-Aktivitäten gemessen wurden. Die ermittelte Sehnenbelastung wurde mit den maximalen Belastungswerten verglichen, um individuelle Belastungsprofile zu erstellen.

// ERGEBNISSE

Die Sehnenspannung nahm mit zunehmender Belastung (4,7 bis 8,2%) zu, was zeigt, dass bereits moderate Kniebeugenintensitäten (40–60% 1RM) ausreichend für eine Sehnenanpassung sein können. Die individuelle Variabilität war jedoch hoch, was eine Verallgemeinerung der Ergebnisse erschwert. Dennoch konnte die individuelle Sehnenbelastung durch die Messung des maximalen isometrischen Kraftwertes genau vorhergesagt werden.

// DISKUSSION

Die Studie zeigt, dass moderate Kniebeugenintensitäten (Back Squats) für eine positive Sehnenanpassung ausreichen können. Die hohe individuelle Variabilität erschwert jedoch allgemeine Empfehlungen auf Basis des 1RM. Die Vorhersage der Sehnenbelastung durch einfach messbare Variablen bietet Potenzial für personalisierte Trainingsansätze.

// KONKLUSION

Die Ergebnisse legen nahe, dass die individuelle Sehnenbelastung besser durch die Messung der maximalen isometrischen Kniestreckung gesteuert werden kann als durch pauschale 1RM-basierte Belastungen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten zur personalisierten Anpassung der Trainingsbelastung für optimierte Sehnenanpassung, insbesondere in Reha- und sportlichen Kontexten. Eine mechanische Verformung der Sehne unter Belastung zwischen 4,5-6,5% gilt als wirksamer Trainingsreiz zur Verbesserung der mechanischen und strukturellen Eigenschaften. In dieser Studie lag die durchschnittliche Verformung der Patellasehne unter Belastung bei den untersuchten Back Squats zwischen 4,7-8,2%. Dies deutet darauf hin, dass bereits Kniebeugen mit moderaten Gewichten (40-60% des 1RM) ausreichend sein könnten, um positive Anpassungen der Patellasehne zu fördern.

// QUELLE

Weidlich K, Mersmann F, Domroes T et al. Quantification of patellar tendon strain and opportunities for personalized tendon loading during back squats. Sci Rep. 2023; 13 (1): 8661.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.