Wie valide und reliabel ist der zervikale Joint-Position-Error-Test?

>> Ausreichend, jedoch basierend auf geringer Evidenz

// HINTERGRUND

Personen mit Nackenschmerzen können eine veränderte Propriozeption entwickeln, was unter anderem Symptome wie Schwindel begünstigen kann. Der Joint-Position-Error-(JPE)-Test wird häufig eingesetzt, um diese Veränderungen zu messen. Der Test prüft, ob Betroffene ihren Kopf nach einer aktiven Bewegung in eine Zielposition zurückführen können, wobei die Augen geschlossen sind. Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit war es, die Messgütekriterien des JPE-Tests, insbesondere Reliabilität und Validität, bei Personen mit und ohne Nackenschmerzen zu bewerten.

// METHODIK

Das internationale Forschungsteam, bestehend aus Physiotherapeut*innen und Sportwissenschaftler*innen, führte eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken Medline, Embase, SportDiscus und CINAHL Plus durch. Mithilfe der COSMIN-Checkliste bewerteten die Forschenden das Risiko für Bias und stuften die Evidenzstärke der Ergebnisse nach einem modifizierten GRADE-Ansatz ein. Insgesamt wurden 15 Studien analysiert, die den JPE-Test bei Personen mit und ohne Nackenschmerzen untersuchten.

// ERGEBNISSE

Die Auswertung zeigte, dass der JPE-Test eine ausreichende Reliabilität und Validität aufweist. Allerdings war die Evidenzbasis für diese Einschätzung gering bis sehr gering. Eine Ausnahme bildete die konvergente Validität des JPE, die eine hohe Evidenz zeigte. Konvergente Validität beschreibt, wie stark ein Test mit anderen Tests korreliert, die dasselbe Konstrukt messen. Methodische Schwächen der Studien, wie kleine Stichproben und uneinheitliche Testverfahren, schränkten die Aussagekraft der Ergebnisse stark ein.

// DISKUSSION

Die Analyse offenbarte große methodische Inkonsistenzen zwischen den Studien. Unterschiede in Testprotokollen und Probandengruppen erschwerten die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Zudem wurden wichtige Aspekte wie die Responsiveness des Tests (wie gut ist der Test in der Lage, Veränderungen über die Zeit zu erfassen) bislang nicht untersucht. Die meisten Studien führten den JPE-Test ausschließlich in sitzender Position durch, was seine Anwendbarkeit in anderen Kontexten begrenzt.

// KONKLUSION

Der JPE-Test kann in der Praxis als grobes Instrument zur Beurteilung der Propriozeption bei Personen mit Nackenschmerzen genutzt werden. Aufgrund der begrenzten und uneinheitlichen Evidenz sollte dies jedoch mit Vorsicht erfolgen. Weitere qualitativ hochwertige Studien sind erforderlich, um die Aussagekraft des Tests zu verbessern und seine Anwendung besser zu standardisieren.

// QUELLE

AlDahas A, Heneghan NR, Althobaiti S et al. Measurement properties of cervical joint position error in people with and without neck pain: a systematic review and narrative synthesis. BMC Musculoskelet Disord. 2024; 25 (1): 44.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.