Wirksamkeit von Stoßwellentherapie, Edukation, Übungen und Schuheinlagen bei Plantarfasziopathie

>> Individuell angepasste Schuheinlagen und eine umfassende Edukation reichen in der Regel aus, um Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

// HINTERGRUND

Plantarfasziopathie ist eine häufige Ursache für Fersenschmerzen und betrifft 3,6–9,6% der Bevölkerung. Die Erkrankung führt oft Aktivitätseinschränkungen und kann die Lebensqualität erheblich mindern. Obwohl angenommen wird, dass sich die Beschwerden im Laufe der Zeit bessern, variieren die Heilungszeiten stark und können Monate bis Jahre dauern. Empfehlungen beinhalten häufig individuell angepasste Schuheinlagen, Dehnübungen und Stoßwellentherapie. Dennoch bleibt unklar, ob diese zusätzlichen Maßnahmen tatsächlich einen Mehrwert gegenüber Basisbehandlungen bieten. Ziel dieser norwegischen Studie war es deshalb, zu untersuchen, ob radiale Stoßwellentherapie, Schein-Stoßwellentherapie oder ein standardisiertes Übungsprogramm in Kombination mit Edukation und individuell angepassten Schuheinlagen effektiver sind als Schuheinlagen und Edukation allein.

// METHODIK

Die randomisierte, doppelblinde Studie wurde am Universitätskrankenhaus Oslo durchgeführt. Eingeschlossen wurden 200 Personen im Alter von 18-70 Jahren, die seit mindestens drei Monaten unter lokalisierten Schmerzen an der Ferse litten. Vor der Einteilung in die Behandlungsgruppen erhielten alle Teilnehmenden eine umfassende Beratung sowie individuell angepasste Schuheinlagen. Danach wurden sie vier Behandlungsgruppen zugeteilt: Stoßwellentherapie, Schein-Stoßwellentherapie, ein Übungsprogramm oder ausschließlich Schuheinlagen plus Edukation. Die Outcomeparameter waren die Veränderung der Schmerzen während körperlicher Aktivität (nach 6 Monaten) und die Funktion und Lebensqualität (nach 6 und 12 Monaten).

// ERGEBNISSE

Die Studie zeigte keine signifikanten Unterschiede in der Schmerzlinderung zwischen den Gruppen. Weder die Stoßwellentherapie noch das standardisierte Übungsprogramm erbrachten einen zusätzlichen Nutzen im Vergleich zur Behandlung mit Edukation und Schuheinlagen allein. Alle Gruppen verzeichneten zwar eine allgemeine Verbesserung der Beschwerden über die 6 Monate hinweg, diese war jedoch unabhängig von der Art der zusätzlichen Intervention.

// DISKUSSION

Der beobachtete Effekt der Schein-Stoßwellentherapie deutet darauf hin, dass Placebo-Effekte eine Rolle spielen. Außerdem wurden alle Teilnehmenden in der Kontrollgruppe intensiv beraten, was die hohe Wirksamkeit dieser Basisbehandlung unterstreicht. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit bisherigen Studien, die ebenfalls keinen klaren Vorteil für Stoßwellentherapie oder strukturierte Übungsprogramme zeigen konnten.

// KONKLUSION

Die Behandlung der Plantarfasziopathie mit individuell angepassten Schuheinlagen und umfassender Edukation reicht in der Regel aus, um Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Zusätzliche Maßnahmen wie Stoßwellentherapie oder standardisierte Übungen scheinen keinen weiteren Nutzen zu bringen und sind daher in der Routinebehandlung nicht zwingend erforderlich. Zusätzliche positive Wirkungen aktiver Therapien, wie die Förderung der allgemeinen Gesundheit, werden in Studien jedoch oft nicht ausreichend erfasst.

// QUELLE

Heide M, Røe C, Mørk M et al. Is radial extracorporeal shock wave therapy (rESWT), sham-rESWT or a standardised exercise programme in combination with advice plus customised foot orthoses more effective than advice plus customised foot orthoses alone in the treatment of plantar fasciopathy? A double-blind, randomised, sham-controlled trial. Br J Sports Med. 2024; 58 (16): 910-918.

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Katrin Veit

Katrin Veit

B.Sc. | Physiotherapeutin & Fachredakteurin bei DIGOTOR

Katrin hat Präventions-, Therapie- und Rehabilitationswissenschaften studiert, jahrelang in der Orthopädie gearbeitet und liebt es, Menschen auf dem Weg zurück in Bewegung, Sport und Alltag zu begleiten. Bei DIGOTOR bringt sie aktuelle Forschung auf den Punkt – mit der festen Überzeugung, dass Evidenz und eine gute Therapeuten-Patienten-Beziehung kein Widerspruch sind, sondern untrennbar zusammengehören.